Die Dialysepatienten sind die am meisten Betroffenen sagt Dr. Nikolaus Graben, Oberarzt der Dialyseabteilung des Universitätsklinikums, Essen. Dreimal in der Woche müssen seine Patienten zur Blutwäsche ins Krankenhaus. In der Regel kommen sie per Taxi

Bis Ende letzten Jahres zahlten die Krankenkassen diese Fahrten ganz. Seit dem 1. Januar dieses Jahres müssen sich die Patienten an den Kosten beteiligen, mit fünf Mark pro Fahrt. Für einen Dialysepatienten macht das bei sechs Fahrten in der Woche 30 Mark, im Monat 120 Mark. Oberarzt Graben: „Nur ein geringer Teil dieser Patienten ist arbeitsfähig, den meisten geht es wirtschaftlich nicht gut“ – da reißen die 120 Mark monatlief, tiefe Löcher ins Haushaltsbudget.

Die noch von der sozial-liberalen Koalition eingeführte Eigenbeteiligung bei Fahrten zum Krankenhaus oder Arzt sollte eigentlich zur Kostendämpfung im Gesundheitswesen beitragen. Mittlerweile zeigt sich jedoch, daß der Schuß nach hinten losging. Vielfach zehn der Verwaltungsaufwand die fünf Mark wieder auf. Noch verhängnisvoller aber sind die Konsequenzen im Rettungsdienst.

Viele Patienten, die sich früher mit dem Taxi ins Krankenhaus fahren ließen, benutzen nun, wenn es irgendwie geht, öffentliche Verkehrsmittel, lassen sich von Freunden und Verwandten chauffieren – oder gehen zu Fuß. Folge: die sogenannten „Sitzend-Transporte“, die meist von Taxi-Unternehmen durchfährt werden, gingen drastisch zurück.

Helmuth Bidinger, Vorstandssprecher des Bundesverbandes des Deutschen Personenverkehrsgewerbes e. V. (BDP) in Frankfurt: „Der Rückgang beträgt bundesweit etwa 35 Prozent. Davon sind 50 000 Taxiunternehmen betroffen. In Baden-Württemberg gibt es Verbände, bei denen das Geschäft zu 80 Prozent aus Krankentransporten besteht. Die spüren den Rückgang besonders stark.“ Und dies wiege umso schwerer, so Bidinger, weil in der gegenwärtigen Rezession das Taxigewerbe „generell rückläufig“ sei.

Um die Verluste wieder auszugleichen, beschlossen viele private Fuhrunternehmer, den öffentlichen Rettungsdiensten bei den „Liegend-Transporten“ Konkurrenz zu machen. Ein besonders „prägnantes Beispiel“, so Ursus Fuhrmann, Hauptreferent des Deutschen Städtetages in Köln, sei die Stadt Gelsenkirchen. Dort setzen seit einiger Zeit zwei Taxifirmen insgesamt sieben Krankenwagen ein. Fuhrmann: „Seitdem gingen die Krankentransporte der städtischen Feuerwehr um 53 Prozent zurück.“

Die privaten Firmen machen’s nämlich um die Hälfte billiger. Bei ihnen kostet ein innerstädtischer Transport 55 Mark; die Stadt verlangt pro Fahrt 110 Mark. Die örtlichen Krankenkassen von der AOK über die Banner Ersatzkasse bis zur Bundesknappschaft waren nur allzugern bereit, mit den Privaten feste Verträge zu schließen. Josef Klaas, Geschäftsführer der Gelsenkirchener AOK: „Etwa 40 Prozent unserer Liegend-Transporte werden jetzt von den privaten Firmen durchgeführt.“