Beriin:"Von Odysseus bis Felix Krall"

Neben der kunsthistorischen Literatur beherbergt die Berliner Kunstbibliothek mehrere Abteilungen, in denen künstlerisch gestaltete Objekte gesammelt werden. In der gebrauchsgraphischen Sammlung gehört dazu das illustrierte Buch. Auch hier waren die Kriegsverluste katastrophal; noch im März 1945 sind 7000 Bände verlorengegangen. Entsprechend schwer war der zögernde Neuanfang; doch inzwischen reicht der Bestand zwar nicht quantitativ, aber doch qualitativ beinahe an den der Vorkriegszeit heran. In der großen Sonderausstellungshalle in Dahlem wird nun unter dem Thema "Gestalten der Weltliteratur in der Buchillustration des 19 und 20. Jahrhunderts" gleichsam ein Querschnitt des stolz bewahrten Schatzes gegeben und in einem sehr ausführlichen (und sehr preiswerten) schönen Katalog dokumentiert. Die Ausstellung ist sehr lebendig, anregend und unterhaltsam. Ein "Turm der Unterweisung" stellt ganze Bücher photographisch zur Verfügung, so daß der leidige Nachteil von Bücherpräsentationen, nicht umblättern zu können, sich ein wenig ausgleicht. Im Zentrum der Veranstaltung steht nun nicht, wie sonst üblich, die Illustration, sondern ihr Zusammenhang mit dem Text. Darum finden auch Lesungen statt. Darum ist die Schau auch nicht nach Künstlern, sondern nach literarischen Themen gegliedert, die von den Göttern und Helden der Antike bis zum "Dickicht der Städte" reichen. Da eröffnen sich unvermutet nicht nur Literatur- und Kunstgeschichte, sondern auch die allgemeine Kulturgeschichte. Wer Lust hat zum Schauen und Lesen und Zeit genug, sich zu verlieren, kann wunderbare Entdeckungen machen an jenen Punkten, wo Kunst an der Dichtung sich entzündet. Goethe, zum Beispiel, bewunderte die Kraft von Delacroix Faust Illustrationen: "Da muß man doch gestehen, daß man es selbst nicht so vollkommen gedacht hat " (Kunstbibliothek in der Sonderausstellungshalle der Staatlichen Museen Dahlem bis 10. Februar, Katalog in der Ausstellung 28 Mark) Köln: "Junge Kunst in Deutschland"

Tatsächlich gibt es kaum ein Land der Welt, in dem so viele Firmen und Personen zum Teil sehr viel Geld für bildende Kunst ausgeben wie in den USA. Beim Vergleich mit der Bundesrepublik darf aber, trotz drastisch verminderter Kulturetats, das Engagement der öffentlichen Hand bei uns nicht unterschlagen werden. Daß ein Mißverständnis bestehe zwischen privater und öffentlicher Förderung vor allem junger Künstler, wird immer wieder behauptet; dabei werden die Zahlen, je nach Interessen, auch schon einmal kräftig manipuliert. Deshalb ist es von großem Nutzen, daß nun ein Kompendium über die Preisträger der wichtigsten privaten Kunststiftungen vorliegt, das gleichzeitig als Katalog für eine Ausstellung dient, die im Kölnischen Kunstverein beginnt und später noch in Berlin und München gezeigt werden soll. Von den 116 Preisträgern von sechs Stiftungen versammelt die Ausstellung zwar nur sechzehn, gleichwohl gibt sie einen erstaunlichen Querschnitt durch die "Junge Kunst in Deutschland". Der Vergleich der Preise und der ausgezeichneten Künstler fällt sehr schwer, dazu sind Aufwand und Anspruch zu unterschiedlich. Der Kunstpreis der Tabakfirma Philip Morris beispielsweise hat einen ganz anderen Hintergrund - etwa amerikanischer Erfahrungen und Praktiken - als das Annemarie- und Will Grohmann Stipendium, das aus dem persönlich beruflichen Engagement einer herausragenden Einzelpersönlichkeit für die zeitgenössische Kunst entstanden ist. Hinter dem Kunstpreis der Böttcherstraße und dem Förderpreis Glockengasse stehen jeweils große Finnen, während der Förderpreis der Jürgen Ponto Stiftung, als jüngster Preis, an den ermordeten Frankfurter Bankier erinnern soll. Die Ausstellung zeigt fiberzeugend, daß eine Anzahl der ausgezeichneten Künstler heute sogar den internationalen Durchbruch geschafft hat. Für die Preise von Ulrike Rosenbach, Franz Bernhard, Alf Schuler, HansPeter Reuter oder Rebecca Hörn braucht sich keine Jury zu schämen. Dennoch kann das nun vorliegende Kompendium - das unabhängig von der Ausstellung im Handel zu erwerben ist - nur der Anfang einer intensiveren Beschäftigung mit der privaten Kunstförderung sein. Sie leistet viel, ohne am staatlichen und halbstaatlichen Kulturbetrieb angemessen beteiligt zu sein. Darüber nachzudenken, sollten diese Ausstellung und die Dokumentation ein willkommener Anlaß sein (Komischer Kunstverein bis 9. Januar, Katalog 20 Mark) Wichtige Ausstellungen Baden Baden: "Yves Tanguy - Europäische Retrospektive" (Staatliche Kunsthalle bis 2. 1. 1983, Katalog 38 Mark) Berlin: "Zeitgeist - Internationale Kunstausstellung Berlin 1982" (Martin Gropius Bau bis 16 1 1983, Katalog 38 Mark) Duisburg: "Alexander Rodtschenko und Warwara Stepanowa" (Wilhelm LehmbruckMuseum bis 3. 1. 1983, Katalog 28 Mark) Frankfurt: "Deutsche Kunst des 20. Jahrhunderts aus dem Busch Reisinger Museum" (Städtische Galerie im Städelschen Kunstinstitut bis 16. 1. 1983, Katalog 30 Mark) Hamburg: "Retrospektive Meret Oppenheim" (Galerie Levy bis 7. 1. 1983, (EuvreKatalog und Monographie 110 Mark) Hamburg: "Zeitvergleich - Malerei und Graphik aus der DDR" (Kunstverein bis 9. 1. 1983, Katalog 28 Mark) Hamburg: "Karl Friedrich Schinkel 1781 Ms 1841" (Kunsthalle bis 16. 1. 1983, Katalog 35 Mark) Hannover: "Gustave Dort. 1832 1883"

(Wilhelm Busch Museum bis 9. 1. 1983, Katalog 2 Bände, 20 Mark) Hannover: "New York now" (Kestner Gesellschaft bis 23. 1. 1983, Katalog 29 Mark) und nebenan Basel: "Zeichnungen deutscher Künstler des 19. Jahrhunderts" (Kunstmuseum, Kupferstichkabinett bis 16. 1. 1983) London: "Van Dyck in England" (National Portrait Gallery bis 20. 3. 1983) Paris: "Fantin Latonr" (Galeries Nationales du Grand Palais bis 7. 2. 1983) Zürich: "Henri Matisse" (Kunsthaus bis 16.

L 1983)