Dem neuen Jahr sehe ich getrost entgegen, denn: Mein Andropow ist noch viel verschlagener, als wir ihn im Westen uns vorstellen, und läßt es bei seinem Vorschlag, die sowjetischen Mittelstreckenraketen zu reduzieren, nicht bewenden, sondern verblüfft. mit weiteren vertrauensbildenden Aktionen, wozu auch die völlige Räumung Afghanistans und eine Garantie für Polen gehören werden, vor allem aber ein weiterer Abrüstungsvorschlag, der so weit geht, da es selbst Rostow und Nitze die Sprache verschlägt und die Verlegenheit zunächst groß ist, weil man nicht weiß, wie man diese Vorschläge guten Gewissens ablehnen kann.

Mein Reagan aber läßt sich nicht lumpen, zeigt sich vielmehr von seiner flexibleren Seite, schminkt sich seinen altbackenen Anti-Kommunismus ab und macht die sensationelle Mitteilung, daß er es mit der Aufstellung der Pershing II in Mitteleuropa nicht mehr so eilig hat, wobei er zugleich den Sowjets signalisiert, daß das Mißgeschick, das diese Raketen bei ihren Testflügen erleiden, auch als amerikanische Vorleistung zu sehen sind.

Mein Begin wird von einer geradezu alttestamentarischen Erleuchtung heimgesucht, die ihm eingibt, daß sich Israel auf längere Sicht sicherer fühlen kann, wenn es darauf verzichtet, sich die Sympathien der ganzen Welt zu verscherzen, weshalb er die Siedlungspolitik in den besetzten Gebieten stoppt und gleich darauf zur allgemeinen Erleichterung zurücktritt.

Mein Kohl hat inzwischen eingesehen, daß seine Abwesenheit auf dem Bildschirm am Hamburger Wahlabend der erste kapitale Fehler seiner bisherigen Amtszeit war, und will nun, als Zeichen, daß er sein Amt ernst nimmt, auf das etwas törichte Grinsen verzichten, mit dem er von der Regierungsbank her die Reden der Opposition begleitet.

Mein Carstens erhört in diesem Augenblick das heimliche Flehen unserer Parteiführer, die heimlich ein Kreuz schlagen, wenn sie an die Fallstricke einer Wahl am 6. März denken. Von der, unserer Demokratie nicht gerade förderlichen, Schlammschlacht bis dahin ganz zu schweigen. Und entschließt sich darum, der Wahl am 6. März seine Zustimmung zu verweigern.

Meine Skandale – Wein, Baufirmen, Ausländerzuzug, Parteispenden, Nürnberger Justiz – werden, um die Übersicht zu erleichtern, in einer garantiert skandalsicheren Skandalsammelstelle zusammengefaßt, wo auch die Skandale ’83 noch Platz finden.

Mein Stingl wird im Frühjahr mal nicht als Horrormelder vom Dienst auf dem Bildschirm erscheinen, sondern diesmal froh und freimütig bekennen, daß er sich mit seinen Winter-Voraussagen über steigende Arbeitslosenzahlen grob verschätzt hat und die Senkung der Arbeitslosenzahl unter 2 Millionen auch für ihn eine angenehme Überraschung sei.