"Ich falle eben doch meinem Schicksal anheim" – Nachtrag zum Jubiläum einer Überflüssigen

Von Elke Kummer

Es war wie heute, eine Zeit steigender Arbeitslosenzahlen und der Flucht in die Sachwerte, als eine verzweifelte Dichterin ihre Erfindungsgabe unrühmlich nutzte: Sie signierte die Werke unbedeutender Maler mit berühmten Namen und versetzte sie für teures Geld. Der Betrug konnte nicht lange unentdeckt bleiben. Sie entzog sich der Festnahme durch Selbstmord.

Wer mehr über sie erfahren wollte als die Verschlüsselung ihres Werks zuläßt, konnte bisher nur auf ein notwendig befangenes, weil von einem unmittelbar an ihrem Werdegang Beteiligten verfaßtes Buch zurückgreifen, "Der Weg der Lena Christ", zuletzt 1950 im Münchner Ludwig Baur Verlag erschienen und längst vergriffen. Eine Auseinandersetzung mit ihrer Persönlichkeit, die ihr Werk aus den Bedingtheiten ihrer Entwicklung erklärbar macht, ermöglicht nun eine Biographie, die zu ihrem hundertsten Geburtstag erschien –

Günther Göpfert: "Das Schicksal der Lena Christ"; Ehrenwirth, München; 140S.,24,–DM.

Der schmale Band – Ergebnis einer akribischen Recherchenarbeit – fördert eine Unmenge interessanter Details zutage, die neues Licht auf den Zusammenhang zwischen Leben und Werk dieser großen bayerischen Dichterin werfen. Das ist besonders nützlich, weil zu gleicher Zeit eine Neuausgabe ihrer Werke angekündigt war, die sich dann leider als Bauernfängerei entlarvt. Sieht man von dem Leineneinband unter neuem Schutzumschlag ab, so hält man mit der Edition –

Lena Christ: "Gesammelte Werke"; Süddeutscher Verlag, München; 933 S., 34,80 DM,