Im Luftverkehr, so heißt es, bliebe nichts dem Zufall überlassen. Alles werde gescheckt und gegengesheckt. Deswegen sei das Fliegen auch so sicher. Und doch, es gibt eine Lücke im System. Hier lassen die Luftlinien den Passagier im Stich. Denn wie viele Situationen gibt es, in denen der Fluggast von einer Übelkeit befallen wird? Unzählige: Turbulenzen, Bordmenü, der Gedanke an des Start, an die Landung an die innerdeutschen Flugpreise...

In diesen Fällen benötigt der von innen drangsalierte Fluggast ein Utensil, das die Airlines in Form einer Tüte zur Verfügung stellen. Aber eben diese Tüte ist es, die zeigt, was für wichtig gehalten wird und was nicht.

Haben Sie, lieber Leser, schon einmal erlebt, daß Ihnen ein Flugbegleiter neben Schwimmwesten- und Sauerstoffmasken-Instruktionen den Gebrauch der Tüte demonstriert hat?

Dabei geht es um mehr als nur die Tüte. Es geht um die Tüten als solche. Viele Passagiere beachten sie kaum, verstauen gedankenverloren ihre Apfelsinenschalen darin und widmen ihnen nur bei Bedarf gebühren-– de Aufmerksamkeit. Das Schattendasein der Toten ist jämmerlich.

Aber es gibt Hoffnung. Ein internationaler Club hat es sich jetzt zur Aufgabe gemacht, das Tüten-Tabu zu brechen.

Natürlich gehört es zu den dringlichsten Aufgaben, zunächst die wissenschaftliche Forschung zu forcieren. Deswegen zählt es zu den Hauptaktivitäten des Clubs, eine Tütothek anzulegen, möglichst viele der kostbaren Specimen zu sammeln, zu dokumentieren und auszuwerten.

Welche Vielfalt an Farben und Formen tut sich dem Sammler da auf: Es gibt lange, elegantschmale Taten, aber auch effizient-bauchige; manche bestehen lediglich aus Papier, andere sind verschwenderisch mit Kunststoff gefuttert. Auch die Ausstattung weist auf eine fortgeschrittene Tüten-Kultur hin, und sei es auch nur, daß schon recht häufig die Benutzung eines festangebrachten Verschlußdrahtes angeboten wird.