Nach dem ersten Jahr des Wissenschaftskollegs – Eine ganz persönliche Bilanz

Von Hartmut von Hentig

Im November 1981 wurde in Berlin das Wissenschaftskolleg gegründet, das Wissenschaftler fördern soll.

Darüber berichtete in der vorigen Ausgabe der ZEIT Peter Wapnewski, Rektor dieses Kollegs. Heute schreibt ein "Fellow" des ersten Jahrgangs über seine Erfahrungen.

Vor gut einemjahr, am 8. November 1981, wurde das Wissenschaftskolleg zu Berlin offiziell eröffnet: Redner im dunklen Anzug, feierlicher Cello-Klang, ein Glas Sekt und vielen Lorbeerbäume – hinter denen getuschelt wurde. Worüber? Nun: darüber, ob das wohl gutgehen werde.

Ich gehörte zur ersten Crew von achtzehn sogenannten Fellows. Wir sind inzwischen, mit einer Ausnahme, alle heimgekehrt. Die Frage ist geblieben – umbaut von einem neuen Wohntrakt gegenüber der wiederhergestellten Grunewald-Villa, in der die Verwaltung arbeitet, überwachsen vom jungen Efeu erster Traditionen, eingedickt und abgelagert in der Erinnerung an eine Reihe erregender oder auch nur erregter Veranstaltungen, in denen die Verächter des Kollegs wacker mitgewirkt haben. Vielleicht hilft bei der Antwort auf die Frage, ob das gutgehen werde, die Antwort auf die Frage, wie es denn bisher gegangen sei. Und die sollte auch bei den Nutznießern eingeholt werden!

Ich will versuchen, meinepersönliche Bilanz zu ziehen. Ich tue dies an den Einwänden und Zweifeln entlang, die man gegen das Wissenschaftskolleg vorgebracht hat und unter freiem Rückgriff auf die Überlegungen, Formeln und Institutionen, die die Gründer und Betreiber bereitgestellt haben.