Auf dem Intendantenthron des NDR sitzt einer, der – da können wir ganz beruhigt sein – immer genau weiß, was gut für uns ist. Politisches Kabarett am Vorabend einer Wahl? Davor hat F. W. Räuker die Hamburger gottlob bewahrt. Schließlich waren sie an die nie zitiert worden, um einen schrecklichen Zustand zu beseitigen. Hamburger Verhältnisse! Dabei darf nicht gelacht werden.

Herr Mater ist immer dabei, wenn es gilt, uns vor frecher Beeinflussung zu schützen. Ein "Scheibenwischer" im Januar, wo wir schon im März über das politische Schicksal der Nation entscheiden müssen – Räuker bewahre!

Seine besondere Sorge aber gilt zur Zeit der NDR-radiohörenden Jugend. Auch hier sieht sich der ängstliche CDU-Mann stark in die Verantwortung genommen. Eine "neue Konzeption" muß durchgeboxt werden, koste es, was es wolle. Miese Tricks, einen teuren Arbeitsprozeß – egal! Die "neue Konzeption", darüber besteht quer durch die Bank keinerlei Zweifel, bedeutet schlicht: Mehr Unterhaltung für unsere Jugend und weniger Politik.

Eine günstige Gelegenheit zur endgültigen "Sanierung" da einst als kritisch gerühmten Jugendfunks bot sich, als Marianne Scheuerl, langgediente Redakteurin im Ressort und vor dem Mikrophon, sich in ein Babyjahr verabschiedete und Interesse bekundete, nach Ablauf der Frist ins politische Fach zu wechseln.

Räuker und seine Hierarchen witterten Morgenluft: Eine Mutterschaft würde ihnen helfen, eines der wichtigsten noch anstehenden Umbesetzungsprobleme zu lösen. Flugs installierten sie an Stelle der Radakteurin einen unpolitischen Plauderer – mit Zeitvertrag zunächst und dem zuversichtlichen Versprechen, daß daraus ein Dauerauftrag werde. Das war vor einem Jahr.

Doch dann kam’s ganz anders. Frau Scheuerl, inzwischen Mutter geworden, merkte, daß sich der in der politischen Redaktion notwendige Schichtdienst mit der Versorgung eines Babys zumindest in den ersten zwei, drei Jahren nicht vereinbaren läßt. Zeitig im August teilte sie dies dem Personalleiter des NDR mit und bat, zunächst an ihren alten Arbeitsplatz zurückkehren zu können. Schweigen im Walde.

Im Oktober endlich ließ der Sender Marianne Scheuerl über ihren Anwalt wissen: Der Programmdirektor (Olaf v. Wrangel, CDU) sei gerade im Urlaub, endgültig entscheiden könne man da noch nicht, aber es könne durchaus nichtige Gründe geben, ihren Wunsch nicht zu berücksichtigen.