Von Viola Roggenkamp

Lübeck

Herr Stadtpräsident, meine Damen und Herren! Und wenn Sie so was beantragen, dann müssen Sie sich auch über die Konsequenzen im klaren sein. Sonst beantrage ich so was nicht. Das müssen Sie zur Kenntnis nehmen. Nicht? ja! So ist ja doch wohl die Sachlage. Nein, meine Damen und Herren, mit uns können Sie so was nicht machen. Wir beantragen, daß dieser Antrag von Ihnen zurückgenommen wird."

Unter donnerndem Beifall seiner Genossen verläßt der SPD-Fraktionschef Gerhard Krüger das Rednerpult und begibt sich auf seinen Platz.

Bei der CDU beugt sich ein Herr in hellbraunem Tweed zu seinem Kollegen und sagt vernehmlich: "Büschen Äktschen, wie? Der freut sich nu wie ’n Stint." Sein Parteifreund jedoch verzieht keine Miene: "Kein Format, ist ja unmöchlich der Mann." Dann geht er seinerseits zum Rednerpult, knöpft dabei umständlich das Jackett zu und wirft einen Blick hinauf zu den gut besetzten Zuschauertribünen: "Das müssen Sie gerade sagen. Sie wollen hier doch nicht erzählen, daß die Bürger nicht wissen, was hier gespielt wird!"

Was hier gespielt wird, ist vielleicht nicht einmal ein Schlagabtausch. Den Rahmen dafür jedenfalls bietet die Bürgerschaftssitzung der Hansestadt Lübeck.

Vielleicht ist die wachsende Verschuldung und damit die steigende Handlungsunfähigkeit der Städte und Gemeinden schuld, daß die Debatten in den Kommunalparlamenten inhaltlos geworden sind. Wenig mehr als zwei Minuten brauchen die Demokraten aller Fraktionen, um über den Etat samt Neuverschuldung abzustimmen. Es steigt kaum noch jemand durch, hat man den Eindruck.