Was Jahr für Jahr einen Höhepunkt im politischen Kalender der Freien Demokraten darstellte, zeigt sie nun auf einem Tiefpunkt ihrer Nachkriegsgeschichte: Das Dreikönigstreffen der baden-württembergischen Liberalen, traditionell ein familiär durchwachsener, von den vergangenen Festtagen noch geruhsam überstrahlter Jahresaufgalopp, markiert diesmal den Beginn des schwersten Wahlkampfes, den die Partei je zu absolvieren hatte. Für alle ihre Konkurrenten geht es dabei um Sieg oder Platz. Für die FDP jedoch geht es um ihr politisches Überleben.

Die Aussichten dafür sind alles andere als günstig. Denn die Wahlergebnisse erst in Hessen, dann in Hamburg stehen für mehr als für einen kollabierenden Wählerschwund. Diese Wahlen waren Strafaktionen, und die demoskopischen Hinweise auf den wieder knapp an die Fünf-Prozent-Grenze heranreichenden Sympathie-Pegel sind kein Beweis dafür, daß dieser Affekt gegen die Partei verebbt sei.

Hat da die FDP überhaupt noch eine Chance? Sie hat sie nur – vielleicht wenn sie ihre neue Position im Parteiengefüge ohne taktisches Zwinkern deutlich macht. Dazu gehörte dann freilich, daß alle ihre Flügel darauf verzichten, alte Rechnungen zu begleichen. Erbarmen mit den Liberalen werden die Wähler nur dann aufbringen, wenn diese endlich mit sich selbst Frieden schließen – und zwar keinen faulen. Rdh.