Von Hob Kieffer

Verwechslungen sind häufig: Mehrmals im Jahr muß der Beamte des örtlichen Fremdenverkehrsvereins in Arlon verdutzten Touristen schonend beibringen, daß sie sich nicht im Großherzogtum Luxemburg befinden, sondern in der Hauptstadt der belgischen Provinz Luxemburg. Und wohl genauso oft muß sein ausländischer Kollege in dem nur 25 Kilometer entfernten Luxemburg, der Hauptstadt des gleichnamigen Großherzogtums, aus allen Wolken fallende Europareisende darüber aufklären, daß sie sich auf großherzoglichem Pflaster bewegen und nicht belgisches Territorium unter den Füßen haben.

Aufklärung schafft da höchstens ein präziser Blick auf die Landkarte: Luxemburg und Luxemburg sind zweierlei. Da gibt es einerseits das unabhängige "Grand-Duche de Luxembourg". Andererseits gibt es die "Province de Luxembourg", die größte der insgesamt neun belgischen Provinzen, die – um die Verwirrung perfekt zu machen – auch noch eine 80 Kilometer lange Grenze mit dem benachbarten Großherzogtum bildet.

Die Namensgleichheit basiert auf geschichtlicher Verwurzelung. 1815 bildete sich infolge des Wiener Kongresses das Herzogtum Luxemburg, es wurde Teil des Königreiches der Vereinigten Niederlande und dem Deutschen Bund angegliedert.

Neun Jahre nach der belgischen Revolution, die 1830 Flamen und Wallonen in seltener Trausamkeit auf die Barrikaden trieb, spaltete sich dieses Herzogtum. Der westliche wallonische Teil wurde an das neugegründete Königreich Belgien abgetreten. Der östliche Teil verblieb bis 1866 im Deutschen Bund, wurde nach dessen Auflösung selbständig und erlangte 1867 auf Geheiß des Londoner Kongresses als Großherzogtum Luxemburg die endgültige Neutralität.

Die belgischen "Luxemburger" bearbeiten vorwiegend das fruchtbare Ackerland oder züchten Vieh; rauchende Schlote und triste Industrieviertel haben deshalb die Landschaft noch nicht verunstalten können. Im Süden dehnt sich sanft gewelltes Hügelland aus, aufgelockert durch weißgekalkte Bauernhäuser, das Scheunentor oft in leuchtendem Blau oder Grün gestrichen, die Fenster außen mit den für Belgien typischen roten Ziegeln ummauert, solch belebende "Patchwork"-Architektur ist hier keine Seltenheit.

Im Norden dann die ausgedehnten Wälder der Ardennen, in denen sich reichlich Wild für Jäger und reichlich Kobolde für Legendensammler tummeln, durchtrennt von schattigen Flußtälern und bizarren Felsformationen. Die pulsierende Hauptstadt der "Province de Luxembourg" ist Arlon, wo schon Cäsars Legionäre marschierten und reiche Römer ihre Sesterzen in prunkvolle Bauten investierten. Das Archäologische Museum kann sich einer der reichsten Sammlungen von Steindenkmälern aus der Römerzeit in Europa rühmen. Überreste der ältesten christlichen Basilika Belgiens, im 4. Jahrhundert errichtet, und die erstaunlich gut erhaltenen Ruinen römischer Thermen haben Arlon den schmeichelhaften Beinamen "La Romaine" eingebracht.