Von Wilfried Kratz

Robin Leigh-Pemberton, der nächste Gouverneur der Bank von England, ist noch nicht im Amt, da ist schon von seiner Entlassung die Rede. Erst am 1. Juli soll der Vorsitzende der National Westminster Bank den gerade zum Lord erhobenen Gordon Richardson ablösen, aber schon, so weiß die Sunday Times zu berichten, "geht von allen Ebenen der Labourparty ein wachsender Druck auf das Schattenkabinett aus, auf seiner Sitzung am 19. Januar offiziell zu erklären, daß Labour ihn von seinem Amt entbinden würde". In der eher sensationslosen und stetigen Welt der Noten-Bankiers wäre dies ein beispielloser Vorgang.

Das Verhältnis zwischen der Bank von England und der britischen Regierung ist kompliziert und wird stark von der Persönlichkeit der Akteure bestimmt. Die Zentralbank hat institutionell nicht die Unabhängigkeit wie die Bundesbank. Sie ist in mancher Weise die Repräsentanz des Schatzamtes in der City, zugleich ein Filter, durch den die Wünsche der City an die Regierung in Whitehall hindurchgeleitet werden. Das Schatzamt kann der Notenbank Weisungen geben, hat das aber formell nie getan.

Spannungen sind gleichwohl nicht unbekannt. In den sechziger Jahren suchte der konservative Lord Cromer die Labourregierung Wilson durch ständige Warnungen und Vorhaltungen von ihrem wirtschaftspolitischen Kurs abzudrängen. Seine Amtszeit wurde nach Ablauf der ersten fünf Jahre dann auch nicht verlängert. Der in seiner Grundhaltung konservative, aber eigenwillige Lord Richardson irritierte die ungestüme Frau Thatcher gelegentlich mit Einwänden und Bedenken. Er wollte das Eigengewicht der Bank zur Geltung bringen. Dafür wurde er nun in Pension und ins Oberhaus geschickt, obwohl er sich nach zehn Jahren an der Spitze der Notenbank für eine kurze Verlängerung bereithielt.

Der Gouverneur und seine Amtsführung sind stets der Kritik ausgesetzt. Aber keine Ernennung hat gleich ein solches Maß an Erstaunen und Attacken ausgelöst, wie die des 56jährigen Robin Leigh-Pemberton. Der Trick, die Berufung ganz kurz vor Weihnachten bekanntzugeben und sie in der diesmal besonders langen Festtagsruhe untergehen zu lassen, war nur bedingt erfolgreich.

Der konservative Daily Telegraph sprach von einer "verpaßten Gelegenheit", nämlich "eine britische Version des großen deutschen Zentralbankiers Dr. Otmar Emminger zu ernennen", beantwortete aber die Frage nicht, wer denn wohl diese Persönlichkeit wäre. Die Financial Times die in der Regel die Ansichten der Finanzwelt in der City widerspiegelt, fand es "überraschend und bedauerlich, daß Frau Thatcher den Kandidaten auswählte, dessen Erfahrung im Bankwesen und ganz besonders in internationalen Finanzbeziehungen am wenigsten ausgeprägt ist".

Aus der parteipolitischen Ecke schlug der frühere Labour-Schatzkanzler Denis Healy kräftig zu. Ihn ärgerte zunächst, daß Frau Thatcher dem Alleingang gewählt hat, obwohl er sie doch damals konsultiert habe, bevor er Richardsons Amtszeit für weitere fünf Jahre verlängerte. Healey nannte die Berufung "parteipolitisch" und motiviert von dem Bestreben, "Monetarismus mit anderen Mitteln fortzusetzen". Er hatte auch keine Bedenken, Frau Thatchers Günstling abzuwerten: Das "Leichtgewicht" werde auf internationalem Parkett von seinen Kollegen ausgestochen, prophezeite er.