Der Dezember brachte vielen Aktien unserer Tabelle neue Jahreshöchstkurse. Dafür sorgten massive Kaufaufträge aus dem Ausland, weitere Anlagekäufe der Versicherungen, aber langsam beginnend auch Meinungskäufe solcher Bankkunden, die heute bereit sind, auf den Aufschwung von morgen zu setzen.

Am Jahresende hielten die Wertpapieranalysten der meisten Banken an ihrer bisher vertretenen Auffassung fest, wonach 1983 die "Ergebnisse je Aktie" bei zahlreichen Gesellschaften höher sein werden als im abgelaufenen Jahr. Zwar zeichnen sich nirgends spektakuläre Gewinnsteigerungen ab, doch stützen solche Prognosen die Hoffnungen auf einen neuen Nachkriegshöchststand.

Das Ende der Talfahrt wird für die Kurse der Großchemie angesagt, die 1982 zu den Verlierern zu rechnen ist. Die Aktien von BASF, Bayer und Hoechst gelten als "international unterbewertet". Dies dürfte erst recht für die Siemens-Aktien zutreffen, die gemessen am Kurs/Gewinnverhältnis zu den preiswertesten Papieren der deutschen Börse gehören. Dabei zeigt auch bei Siemens der Gewinntrend nach oben.

Unverkennbar war in den letzten Monaten, daß fundamentale Daten – dazu gehören auch die Gewinnschätzungen – bei der Kursbildung eine untergeordnete Rolle gespielt haben. Sie wurden von den monetären Faktoren, das heißt hauptsächlich durch die Zinssenkung, weit in den Hintergrund gedrängt. Dies nicht nur in der Bundesrepublik, noch mehr in den USA. Das wird sich erst ändern, wenn die bisherigen Gewinnschätzungen durch handfeste Daten untermauert werden können. Bis dahin bleibt der Aktienmarkt in weiten Bereichen hochspekulativ.

Einen gewissen Nachholbedarf scheinen die Aktien der deutschen Maschinenbauer zu besitzen. Nach hoffnungsvollem Start gehören auch sie zur Gruppe jener Papiere, die 1982 im Börsenschatten gelegen haben. Die Kurse von GHH, Deutsche Babcock, Mannesmann und vor allem MAN liegen heute niedriger als vor einem Jahr. Eine Sondersituation ergab sich lediglich bei KHD.

Ertragsschätzungen für die Banken sind weiterhin so gut wie unmöglich, weil alle Institute in der Lage sind, ihre Überschüsse in Wertberichtigungen zu verbergen. Nach Risiken braucht nicht lange gesucht zu werden, und so dürfte 1983 für die Kreditwirtschaft noch einmal ein schweres Jahr werden. Mit ihren Zwischenberichten haben die Institute über die für 1982 zu erwartenden Dividenden aber bereits Klarheit geschaffen.

Die AEG/Telefunken-Aktionäre werden im kommenden Jahr weiteren Belastungsproben ausgesetzt sein, auch wenn es gelingen sollte, das Vergleichsverfahren wie geplant über die Bühne zu bringen. Niemand vermag heute vorauszusagen, was danach an Substanz für die Aktionäre übrigbleiben wird. K. W.