Von Wolfgang Hoffmann

Heinz Riesenhuber hat sich in seinem Amt rasch einen Namen gemacht. Man kennt ihn als den Mann mit der Fliege auf weißem Hemd. Sie unterstreicht sein Äußeres: Er ist stets wie aus dem Ei gepellt. So sind auch seine Reden. Wer es nicht besser weiß, könnte leicht auf den Gedanken verfallen, er habe an seinen kurzen Erklärungen lange gefeilt und sie dann auswendig gelernt; sie hören sich besser an, als sie sich oft nachher lesen, Das hat sicher etwas mit seiner tiefen, sonoren Stimme zu tun, die nicht nur sympathisch klingt, sondern ihm auch selbst gefällt.

Heinz Riesenhuber ist ein ausgesprochen freundlicher Mann, ein fröhlicher dazu. Die Familie – Frau, zwei Töchter, zwei Söhne – ist eine strahlende Familie; Glückwunschkarten, die er zu den vergangenen Festtagen verschickte, belegen das im Photo. Er nennt sie "mein erstes Hobby". Das zeigt zugleich, welche Rolle er darin spielt. Im Lot ist er auch mit der Religion. Zwischen den Jahren zog er sich zu Exerzitien in die Klosterzelle einer Benediktiner-Abtei zurück.

Der langjährige Bonner Chronist Walter Henkels erkannte schon vor längerer Zeit: "Leute wie Heinz Riesenhuber sind aus dem Stoff, aus dem die Bosse kommen." Beim Abitur war er der Klassenbeste. Er studierte Chemie, sammelte mehrere Semester betriebs- und volkswirtschaftliche Kenntnisse, promovierte zum Dr. rer. nat., war Universitätsassistent, trat 1966 in die Dienste der Erzgesellschaft, einer Tochter der Metallgesellschaft. Bald war er deren Prokurist, 1968 Geschäftsführer, dann wechselte er zur Metallgesellschaft-Tochter Synthomer-Chemie, wo er bis zur Übernahme des Forschungsministeriums technischer Geschäftsführer war.

Auch in der Politik hat er flugs Karriere gemacht. 1961 wurde er Mitglied der Jungen Union, 1965 deren Vorsitzender in Hessen; 1968 gehörte er schon dem Präsidium der CDU-Hessen an. Von 1973 bis 1978 leitete er den wichtigen Frankfurter Ortsverband. 1976 wurde er in den Bundestag gewählt. 1982 ist er schon Minister. Und jedesmal macht er sich mit Volldampf an die neue Aufgabe. Sein Aktenstudium in den ersten Wochen als Minister beweist Arbeitsenthusiasmus, Liebe zum Detail. Neider sehen darin gerne nur ausgeprägten Ehrgeiz. Riesenhuber kann darin nichts Nachteiliges erkennen. "Was ist gegen gesunden Ehrgeiz einzuwenden?"

Ehrgeiz allein wird freilich nicht genügen, wenn der Minister – vorausgesetzt, er bleibt nach dem 6. März im Amt – mit seiner Aufgabe im Forschungsministerium fertig werden will. Allen Problemen voran steht die seit nunmehr gut zwei Jahren schwelende Reaktorkrise. Wenn der 47jährige Riesenhuber die beiden fortgeschrittenen Kernreaktoren – den Schnellen Brüter in Kalkar und den Hochtemperaturreaktor in Schmehausen – tatsächlich fertigbauen möchte, wird er eine gute Portion Fortune, vor allem aber viel Geld nötig haben. Die derzeitige Finanzlücke bei beiden Reaktoren beträgt – je nach Rechnungsart – drei bis vier Milliarden Mark – eher mehr als weniger. Seine Vorgänger sind nicht gut gefahren, als sie die fehlenden Beträge stets zu niedrig angesetzt haben.

Heinz Riesenhuber will auf dem Verhandlungsweg erreichen, was seinem Vorgänger Andreas von Bülow nicht mehr gelungen war: Die Industrie, insbesondere die Stromversorgungsunternehmen, sollen die fehlenden Milliarden bezahlen, nicht zuletzt deshalb, weil sie die gewaltigen Verteuerungen mitverursacht haben. Außerdem sollen beide Reaktorlinien technisch neu bewertet werden und damit die Grundlage für alle weiteren Entscheidungen über die Zukunftsreaktoren gelegt werden. So bat Riesenhuber sich erst einmal eine Atempause verschafft.