Von Carl-Christian Kaiser

Schon immer hatte er uns ja angedroht, dies werde nun sein letztes Buch sein; schließlich sei er beträchtlich in den Siebzigern. Aber schon immer haben wir solche Ankündigungen nur mit erheblichem Rabatt aufgenommen, denn wir wußten: das letzte ist es nicht. Und schon immer fingen seine Bücher irgendwo an und hörten irgendwo auf, worin auch eine Garantie auf Fortsetzung lag.

Das alles gilt, selbst wenn der Untertitel "Ein Chronist erinnert sich" lautet, nun auch für das (vorläufig) letzte Buch von

Walter Henkels: "Die Lage war immer so ernst"; Econ Verlag, Düsseldorf-Wien 1982; 288 S., DM 39,80.

Nein, auch wenn er mit seinem Haupttitel Konrad Adenauers berühmte Sentenz abwandelt – wir befreunden uns noch nicht mit jener von ihm selber geschilderten Grabstätte auf dem Friedhof am Fuß der Bonner Godesburg, für die der Chronist der Bundeshauptstadt bereits vorgesorgt hat, auch wenn es sich um einen der schönsten Bonner Friedhöfe handelt und der Weg dorthin dereinst einmal von freundlichen Gedanken begleitet sein wird. Denn noch hat er ja eine sehr gehörige Portion Selbstbewußtsein als Platzhirsch auf der Wildbahn der Bonner Politik und ihrer Personen, mag er sich auch listig mit Ironie schützen. "Es ist nicht sehr klug", so schreibt Henkels gleich in Vorwort, "eine geringe Selbsteinschätzung zur Schau zu tragen. So mögen auch diese Erinnerungen zu den larvierten Formen der Eigenliebe und Eitelkeit gehören."

Wohl wahr. Aber diese larvierten Eigenschaften sind so liebenswert, daß nur Stumpfklötze und Neidhammel sich von ihnen gestört fühlen können. Denn was da im Ich-Stil entrollt wird, ist wiederum, wie schon so viele frühere Bücher des Walter Henkels, zuallererst ein Bilderbogen, der seine Farbigkeit aus eben diesem Ich-Stil gewinnt: Henkels allerorten. Und abermals hält er es mit dem Pointillismus, was die Farbigkeit und Vielfak nur erhöht. Gerade weil nur hingetupft, gehört etwa das Kapital über die Kindheit im Bergischen Land zu den schönsten und eindringlichsten. Aber das trifft auch für manche Miniatur zu, zum Beispiel die über den Frühling 1946, als der Krieg zu Ende war.