Die Wahrheit liege wohl in der Mitte, meint Hans-Jochen Vogel lakonisch. Er bezieht sich dabei auf widersprüchliche Umfrageergebnisse von Meinungsforschungsinstituten, die einmal die Union deutlich in Führung sehen, dann aber der SPD sogar einen kleinen Vorsprung geben. Wenn die Wahrheit wirklich in der Mitte liegt, dann wäre die SPD bei der Frage nach den Parteipräferenzen bald bei 45 Prozent angelangt.

Es kann durchaus geschehen, daß die Umfrageergebnisse je nach Rechen- oder Verwertungsmethode, bereinigt oder unbereinigt, hochgerechnet, abgerundet oder anders malträtiert, weit auseinanderklaffen. Dagegen zielen die Einwände nicht. Sie richten sich nur gegen Versuche, das Geschäft selbst mit Politik zu verwechseln.

Ähnlich wie kürzlich Allensbach kommt das Emnid-Institut jetzt zu dem Ergebnis, "wenn schon am nächsten Sonntag Wahlen stattfinden würden", würden 49 Prozent CDU wählen, 42 Prozent SPD, drei Prozent FDP und fünf Prozent Grüne. Die Konrad-Adenauer-Stiftung kommt zu einem in der Tendenz ähnlichen Ergebnis, nur unge-Anzeige nauer, Sie gibt der CDU/CSU 48-49 Prozent, der SPD 40-41 Prozent, der FDP 4-5 Prozent, den Grünen (und sonstigen) 6-7 Prozent.

Da bleibt beispielsweise eine Nachfrage: Lassen sich die Ergebnisse der Befragung nicht exakt angeben? Oder wollte das Institut keine exakte Prognose wagen? Es ist ja nun ein erheblicher Unterschied, ob dem Publikum mitgeteilt wird, die FDP stehe derzeit auf vier oder auf fünf Prozent.

Neuerdings wird auch von der Chefin des Allensbacher Instituts wieder die These vertreten, die FDP könne ein Comeback schaffen. Das Pech ist nur: Die Prognose läßt sich im Moment nicht auf Zahlen stützen, sondern auf Analysen, Urteile, vielleicht auch Hoffnungen oder Wünsche, jedenfalls wird über den Daumen gepeilt.

Noch kühner läßt sich der Chef des Emnid-Instituts ein, als steckte der Schock der Hamburg-Wahlen den Instituten nicht in den Knochen. An den 42 Prozent für die SPD werde "sich wohl bis zum voraussichtlichen Wahltermin am 6. März nicht sehr viel ändern", sagt er voraus.

Sicher scheint trotz solcher scheinbar sicheren Prognosen im Augenblick nur wenig zu sein. Die CDU kann nicht mehr ganz selbstbewußt mit einer absoluten Mehrheit rechnen; die SPD kämpft darum, drei Prozent (auf der Basis von 42) zuzulegen, was nach demoskopischen Erfahrungen nicht völlig unmöglich ist. Und die FDP wird sich nicht mehr erholen, wenn die Institute ihr nicht glaubhaft prophezeien, daß sie den Sprung schafft.