Von Norbert Heinze

Im Container-Büro des Fähragenten in Köper herrschte die übliche Hektik, ringsum Männer, an deren beiden Ohren ständig Telephonhörer zu kleben schienen. Und dennoch: Ernest Trampuz bot uns Kaffee an, Iztok Vatovec offerierte Rotwein und Vencenc Fortuna machte seinem Namen Ehre; reibungslos passierten wir den Zoll, fanden uns in zwei geräumigen Kabinen wieder und wurden sogleich zum Mittagessen gebeten.

Alle Augen richteten sich auf uns, als wir die Tür zum Speiseraum öffneten. Fast alle anderen Passagiere waren Männer, Lkw-Fahrer auf dem Weg in den Orient. Neben meiner Frau und meiner Tochter fuhr lediglich eine weitere Frau bis Akaba mit. Eine Studentin stieg in Patras aus; sie begleitete ihren Freund auf der ersten Fähretappe, er, ein Medizinstudent, machte mit dem Job wieder einmal etwas Geld. Diesmal überführte er einen Lastwagen mit Betonpumpe, es war seine fünfte Tour nach Bagdad.

Die Fernfahrer stellten sich und ihr Schiff, auf dem viele regelmäßig Fahrgäste sind, um leichter nach Er-Riad, Djidda oder Bagdad zu kommen, mit furchterregendem Seemansgarn vor. Sie erzählten von der Fähre, die in Rhodos volle Fahrt voraus auf die Kaimauer fuhr, von 45 Grad Schlagseite im Sturm und völlig zerstörten Lastwagen, von einer Überfahrt mit 180 Lastzügen und nur zehn nicht seekranken Fahrern, vom Schwesterschiff, das vor Zypern auf dem Meeresgrund ruht.

Bis Patras brauchten wir 40 Stunden. Von der jugoslawischen Adriaküste sahen wir nur Istrien; Split und Dubrovnik lagen weitab. Dafür rückte zu unserer Überraschung das italienische Festland wieder ins Blickfeld. In der Straße von Otranto fuhren wir ziemlich dicht an den Absatz des Stiefels heran.

Das Südkap der Insel Lefkas, den 72 Meter hohen Leukadischen Felsen, passierten wir im Morgengrauen. In der Antike war die Klippe berühmt, weil der Sprung in die Tiefe von unglücklicher Liebe befreite. Auch die Sängerin Sappho soll hier ihren Tod gefunden haben.

Über zwei Kilometer Standspur für Fahrzeuge jeder Art gibt es auf dem 166 Meter langen und .23 Meter breiten Schiff. Die Besatzung spielte in den Laderäumen Fußball und Squash. Der Kapitän und die Offiziere waren stolz auf die Elektronik des noch sehr jungen Schiffes, wir ließen uns die Navigationshilfe via Satellit erklären und staunten über das von Punkten wimmelnde Radarbild, als wir uns dem Suezkanal näherten, wo sich fast immer die Schiffe drängen.