Präsident Mitterrand sucht den Dialog mit der sowjetischen Führung. Die französische Nuklearstreitmacht, so stellte Mitterrand jedoch klar, wird keinesfalls reduziert.

Es waren nicht gerade Liebesgrüße, die François Mitterrand zum neuen Jahr gen Moskau sandte. Dennoch war spürbar, daß der Präsident den Machtwechsel im Kreml zur Verbesserung der französisch-sowjetischen Beziehungen nutzen möchte. Zwar haben seit dem Amtsantritt Mitterrands vor fast zwei Jahren verschiedene Treffen von Ministern stattgefunden, aber die von den Vorgängern Pompidou und Giscard d’Estaing gepflegten regelmäßigen Gipfelgespräche sind bisher ausgeblieben. Die sowjetische Intervention in Afghanistan und noch mehr die Ereignisse in Polen waren von Mitterrand als Gründe für die Selbstbeschränkung genannt worden.

In einem einstündigen Fernsehinterview am vergangenen Sonntag klang Mitterrand nun weniger kategorisch. Man werde sicher miteinander reden, und je eher dies geschehe, desto besser, meinte der Präsident und fügte hinzu, es gebe kein prinzipielles Hindernis für ein Gipfeltreffen mit der Moskauer Führung, wenngleich "neue Elemente in der sowjetischen Politik" die entsprechenden Voraussetzungen schaffen müßten.

Im Pariser Außenministerium gilt nun ein Besuch von Außenminister Claude Cheysson in der UdSSR noch im Januar oder Februar als wahrscheinlich. Ein Zeichen für die Öffnung der französischen Ostpolitik hatte bereits Anfang Dezember die Moskau-Reise von Industrieminister Jean-Pierre Chevenement gesetzt.

Mitterrand begleitete die vorsichtige Differenzierung seines bisher harten Kurses gegenüber Moskau jedoch mit der strikten Ablehnung von Jurij Andropows Vorschlag, die britischen und französischen Atomwaffen in die Genfer Abrüstungsgespräche einzubeziehen. Die französische force de frappe, deren Verstärkung Mitterrand durch neue Atomunterseeboote und die verbesserte Mittelstreckenrakete Hades betreibt, gehört nicht zum Arsenal der Nato und soll darum nach Pariser Auffassung von den Gesprächen über die Reduzierung der europäischen Mittelstreckenwaffen ausgeschlossen bleiben. Eine Verringerung des französischen Nuklearpotentials lehnte Mitterrand entschieden ab. Jörg Reckmann (Paris)