Zwischenbilanz nach einer enttäuschenden Saison

Von Aloys Behler

Es verstößt inzwischen gegen den guten Ton, in Kreisen des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) ein gewisses Ereignis zu erwähnen, das im Sommer vergangenen Jahres in Spanien stattfand. Denn so dick, wie ihnen oft vorgeworfen wird, ist das Fell der Funktionäre nun auch wieder nicht: Die bloße Nennung der Buchstaben W und M tangiert ihre Schmerzschwelle.

Im großen und ganzen waren die Herren des DFB relativ erfolgreich in dem Bemühen, ihre Vize-Weltmeisterschaft im Verborgenen zu begehen, den zweifelhaften Ruhm möglichst unauffällig zu verwalten. Sie wünschen, es möge in den Stadien Gras über die Sache wachsen, was dem Gras im Winter freilich besonders schwerfällt.

Der Befund sei deshalb schonend formuliert: Es gibt Anzeichen dafür, daß sich in der Bundesrepublik und vielleicht darüber hinaus das Verhältnis des Volkes zu seinem Lieblingsspielzeug geändert hat. Manchem ist die vorbehaltlose Unbekümmertheit abhanden gekommen, mit der die Männerchöre des Fußballs vor gar nicht langer Zeit noch einstimmten in den schaurig-schönen Gesang der Nationalelf: "... denn Fußball ist unser Leben und König Fußball regiert die Welt." Das knapp pfundschwere Leder ist nicht mehr Gegenstand ungebrochener Verehrung. Seit jenem Termin in Spanien, von dem keiner mehr gern spricht, hat König Fußball unzweideutig weniger Zulauf.

Einen Verlust von 206 050 Besuchern – "oder die Zuschauerzahl eines kompletten Spieltags" – errechnete die Deutsche Presse-Agentur (dpa) nach Abschluß der Hinspielrunde der laufenden Bundesligasaison 1982/83 am 11. Dezember im Vergleich zum Vorjahr. Zu den 153 Begegnungen der ersten Hälfte der Spielzeit kamen laut dpa 3 304 500 Zuschauer; im Jahr davor waren es noch 3 510 550 gewesen. Der Durchschnitt pro Spiel sank von 22 945 auf 21 598. Das ist die niedrigste Ziffer seit der Saison 1974/75.

Dreizehn der achtzehn Bundesligaklubs verfehlten, zum Teil erheblich, die der Kalkulation bei Saisonbeginn zugrunde gelegten Zahlen, am weitesten der "Halbzeit-Meister" Hamburger SV mit einem Defizit von rund 11 000 Besuchern pro Heimspiel. Nur in München, Dortmund, Stuttgart, Schalke und Bielefeld wurden die erwünschten Zahlen auch erreicht oder übertroffen, am weitesten in München: Zu den Spielen des FC Bayern fühlten sich statt der eingeplanten 32 000 im Durchschnitt 42 000 Fußballfreunde hingezogen.