Ruckkehr in das Raumschiff Bonn: Vom Aufbruch spricht hier niemand

Von Gunter Hofmann

Bonn, im Dezember

Es handele sich nur um einen Übergang, die Wende soll noch folgen, erklären Freunde. Wenn Helmut Kohl bei den Wahlen bestätigt werde, fügen sie hinzu. Oder wenn die FDP überlebe. Und wenn die Mehrheitsverhältnisse klar seien.

Aber wer weiß, was die Wende dann bringen wird? Das hänge ganz davon ab, erklären die Freunde weiter, ob Kohls und Genschers Koalition bestätigt werde. Oder ob Franz Josef Strauß aus dem Schatten träte. Und schließlich sei es auch möglich, daß alles ganz anders komme; Hans-Jochen Vogel als Kanzlerkandidat habe durchaus Chancen.

Auf ein erstaunliches Maß an Ungewißheit trifft man da, wenn man – nach dem Machtwechsel im Herbst – das Regierungszentrum der Bundesrepublik für ein paar Monate aus den Augen verloren hat und nun, aus Amerika zurückkehrend, wieder das Raumschiff Bonn betritt. Das hängt offenkundig auch, aber nicht nur mit den Wahlaussichten zusammen, mit dieser Merkwürdigkeit, daß der neue Kanzler entgegen der Regel von einer spürbaren, aber keineswegs überwältigenden Woge des Wohlwollens getragen wird. Die Union stagniert auf demoskopisch hohem Niveau, das aber keinen sicheren Wahlsieg garantiert. Und die Politik wirkt so diffus und unentschlossen, wie es offensichtlich der öffentlichen Seelenlage entspricht: Gemischte Gefühle, wohin man blickt.

Unklare Wende