Das Image der Exklusivität behindert den Massenabsatz des Bordeaux-Weins

Bordeaux – das ist für den Weinliebhaber das Land der Weine mit den klingenden Namen. Der Kenner denkt an Chateau Mouton-Rothschild, an Lafite und Margaux, an Haut-Brion und Maucaillou, kurz: an Weine, die er sich fast nie leistet. Und verehrt ihm ein liebevoller Mitmensch doch einmal eine solche Kostbarkeit, so hütet er sie im Keller, weil kein Anlaß außergewöhnlich genug erscheint, die Flasche zu entkorken.

Doch in Bordeaux wachsen nicht nur die edlen, teuren Grand Crus, die zu kosten man sich kaum traut. Mit einer Anbaufläche von insgesamt fast hunderttausend Hektar und einem Durchschnittsertrag von 500 Millionen Flaschen im Jahr bringt das Gebiet um die Gironde im Südwesten Frankreichs auch etliche Gewächse hervor, die sich der Weintrinker jeden Tag zum Essen leisten kann.

Und er muß nicht einmal auf großartig klingende Namen verzichten: Chateaux, also Schlösser, gibt es in Bordeaux mehr als genug – so nämlich heißen rund 3500 Weingüter und damit auch deren Kreszenzen. Solche Weine, die im Handel zwischen sechs und zehn Mark kosten sollen, will der Fachverband Bordeaux-Weine C.I.V.B. (Conseil Interprofessionnel du Vin de Bordeaux) jetzt auch dem deutschen Verbraucher nahebringen.

Fast eine Million Mark machte der Verband 1982 locker, um den Absatz speziell dieser Weine zusammen mit rund 35 Importeuren und Grossisten in der Bundesrepublik zu fördern. Bisher nämlich war die Liebe der Deutschen zum Bordeaux eher eine Liebe auf Distanz. Von den insgesamt 1,265 Millionen Hektolitern Bordeaux, die 1981 auf der ganzen Welt verkauft wurden, landeten nur bescheidene 165 000 Hektoliter oder zwölf Millionen Flaschen in deutschen Kellern. Das entspricht einem Marktanteil von einem Prozent an den insgesamt importierten Weinen.

Mit ihrer Kampagne unter dem Motto „Die unendliche Vielfalt des Weines“ wollen die Bordeaux-Winzer und Händler ihren Export ins deutsche Nachbarland in den nächsten drei bis vier Jahren verdoppeln – ein gewiß ehrgeiziges Ziel, das mancher Skeptiker für unerreichbar hält. Denn der Weindurst der Deutschen wird seit ein paar Jahren nicht mehr größer – er stagniert bei rund 21 Litern pro Kopf.

Aktueller Anlaß der Bordeaux-Aktion ist die Jahrhunderternte des letzten Jahres, die mit mehr als 4,5 Millionen Hektolitern alle Erwartungen übertraf. Der Wettergott meinte es 1982 besonders gut mit den Winzern. Denn nicht nur die Menge, auch die Qualität soll es in sich haben. Experten sprechen nur in Superlativen von dem, was sich derzeit in Bordeaux-Kellern entwickelt, und manche prophezeien gar einen Jahrtausendwein.