Beachtlich

„Heimliche Ausflüge“ von Kay Pollak. Auf den ersten Blick ist der Film, der 1981 auf der Berlinale unter dem Titel „Insel der Kinder“ gezeigt wurde, ein Jugendfilm. Ein elfjähriger Junge, Reine Larsson, steht im Mittelpunkt. In seinen Pubertätsphantasien und -erlebnissen werden sich viele jugendliche Zuschauer wiedererkennen. Aber der Film läßt auch Erwachsene nicht gleichgültig, denn mit den Augen eines Kindes erleben sie ihre eigene Welt neu. Diese Welt ist für einen Heranwachsenden oft unverständlich grausam. Statt auf eine Kinderinsel zu fahren, wie von seiner Mutter bestimmt, bleibt Reine Larsson in der Großstadt Stockholm – bereit, sich der Erwachsenenwelt anzunähern. Er versucht sich in kleinen Jobs und in einer Theatergruppe, schließt Bekanntschaften und Freundschaften. Seine geheimsten Gedanken jedoch vertraut er nur seinem Kassettenrecorder an, und seine Ängste brechen erst in der Nachtwelt hervor, wenn er in der großen Wohnung allein ist. Der Schwede Kay Pollak („Elvis! Elvis!“) hat mit Tomas Fryk einen Darsteller gefunden, der die Ängste und kindlichen Gefühle ebenso zu vermitteln versteht wie den oft nur zur Schau gestellten Mut in der Tagwelt Stockholms. Aber auch die Aufmüpfigkeit Reines und die Erlebnisse mit seinem Körper und seinen Gefühlen sind überzeugend dargestellt. Ein ernstzunehmender Film, der es neben den vielen oberflächlichen Teenie-Filmen vermutlich nicht ganz leicht haben wird. Anne Frederiksen

Bizarr

„Rambo“ von Ted Kotcheff ist ein um etliche Jahre verspäteter Nachtrag zur Serie von Filmen über das amerikanische Vietnam-Trauma. Wie Elia Kazans „The Visitors“ und Michael Ciminos „The Deer Hunter“ handelt „First Blood“ (Originaltitel) vom Krieg, der nicht enden will, von den Neurosen der Heimkehrer, vom fernen Dschungelwahnsinn, der längst auch Middle America ergriffen hat. John Rambo (Sylvester Stallone, wie in den „Rocky“-Filmen mit sadomasochistischer Inbrunst) taucht in einem öden Provinznest auf. Er sucht einen Freund, mit dem zusammen er in Vietnam in einer Spezialeinheit gedient hat. Der ist inzwischen an Krebs gestorben. Die Polizei hält den hochdekorierten Veteranen Rambo für einen Landstreicher, mißhandelt und demütigt ihn. Der größte Teil des Films spielt in einem Wald, wo Rambo immer größeren Armeen von Ordnungskräften einen einsamen Guerilla-Krieg liefert: eine perfekte Kampfmaschine, die allmählich wahnsinnig wird. Wäre nicht der perfide Schluß (in dem ausgerechnet die Anti-Kriegs-Demonstranten für Rambos Zusammenbruch verantwortlich gemacht werden), könnte „First Blood“ ein großer Film sein. Zumal in den von Paranoia und mörderischer Angst (auf beiden Seiten) geprägten Nachtszenen zeigt sich der Kanadier Ted Kotcheff („Die Bullen von Dallas“) als brillanter Regisseur. Hans-Christoph Blumenberg

Empfehlenswerte Filme

„Der Depp“ von Herbert Achternbusch. „Eine Sollmernachts-Sexkomödie“ von Woody Allen. „Die Fantome des Hutmachers“ von Claude Chabrol. „Normalsatz“ von Heinz Emigholz. „Yol“ von Yilmaz Güney und Serif Gören. „Von Mao bis Mozart“ von Murray Lerner. „Accattone“ von Pier Paolo Pasolini. „E. T. – Der Außerirdische“ von Steven Spielberg. „Der Saustall“ von Bertrand Tavernier. „Der Stand der Dinge“ von Wim Wenders.