DIE ZEIT

Genötigt

Karl Carstens’ Ankündigung, er werde erst am Freitag dieser Woche im Fernsehen bekanntgeben, welchen Sinnes er (geworden) sei, wirkte eher gequält.

Chancenlos?

Was Jahr für Jahr einen Höhepunkt im politischen Kalender der Freien Demokraten darstellte, zeigt sie nun auf einem Tiefpunkt ihrer Nachkriegsgeschichte: Das Dreikönigstreffen der baden-württembergischen Liberalen, traditionell ein familiär durchwachsener, von den vergangenen Festtagen noch geruhsam überstrahlter Jahresaufgalopp, markiert diesmal den Beginn des schwersten Wahlkampfes, den die Partei je zu absolvieren hatte.

Luther-Welle

Die Jubiläen kommen auch immer früher. Goethe feierten wir schon 1981, an Orwells Horrorjahr 1984 werden wir seit Jahresanfang 1983 erinnert, und für das eben eingeläutete Luther-Jahr ’83 ist bereits eine Leistungsbilanz fällig: 11 Monate vor dem 500.

Gipfel-Ausblicke

Der neue Mann im Kreml ist zu einer Begegnung bereit, wenngleich er sie an die Voraussetzung "einer guten Vorbereitung" knüpft.

Zeitspiegel

Die Protokolle britischer Kabinettssitzungen bleiben 30 Jahre lang geheim; dann darf sich die Öffentlichkeit mit ihnen beschäftigen (von ganz besonders geheimen Vorgängen abgesehen).

Wolfgang Ebert: Fragebogen

"Als alter CDU-Wähler will ich, der Koalition zuliebe, der FDP bei der Wahl meine Stimme leihen, damit sie über die 5-Prozent-Hürde kommt.

Gemischte Gefühle, wohin man blickt

Es handele sich nur um einen Übergang, die Wende soll noch folgen, erklären Freunde. Wenn Helmut Kohl bei den Wahlen bestätigt werde, fügen sie hinzu.

Wehrsteuer: Ein längst verschlissener Hut

Die Verteidigungsminister der Bundesrepublik hatten es seit jeher schwer, für die Armee und ihre Bedürfnisse zu werben. Auch bei den Soldaten selbst Sympathie zu gewinnen, fiel ihnen nicht leicht.

Deutscher EG-Vorsitz: Präsenzpflicht

Die Situation, in der die Bundesrepublik die EG-Präsidentschaft übernimmt, könnte bedrückender kaum sein. Das Abenteuer, auf das sich die dänischen Fischer in britischen Gewässern einlassen wollen, kennzeichnet den Niedergang der Gemeinschaft.

Nun droht der Bankrott

Nur eine Reform von Parlament und Kommission kann die Gemeinschaft der Zehn retten

Frankreich: Ostpolitik nach Mitterrands Manier

Es waren nicht gerade Liebesgrüße, die François Mitterrand zum neuen Jahr gen Moskau sandte. Dennoch war spürbar, daß der Präsident den Machtwechsel im Kreml zur Verbesserung der französisch-sowjetischen Beziehungen nutzen möchte.

Explosion in Miami

Wieder war es in Miami. Zwei Tote, mehrere Verletzte und ein Dutzend geplünletzte Geschäfte sind diesmal die Bilanz. Achtzehn Tote und einhundert Millionen Dollar einhundert waren es im Mai 1980, nachdem in Liberty City, 1980, Farbigenviertel voller Armut, Aufruhr und Plünderungen ausgebrochen waren.

BONNER BÜHNE: Es wird schwer, aber es wird schon werden

Die Wahrheit liege wohl in der Mitte, meint Hans-Jochen Vogel lakonisch. Er bezieht sich dabei auf widersprüchliche Umfrageergebnisse von Meinungsforschungsinstituten, die einmal die Union deutlich in Führung sehen, dann aber der SPD sogar einen kleinen Vorsprung geben.

Finnland: Sorsa bleibt

Die Auseinandersetzung im finnischen Kabinett war drei Tage vor Jahresende ausgebrochen – plötzlich, aber nicht unerwartet. In der Koalition aus Sozialdemokraten, Zentrum, Schwedischer Volkspartei und der von den Kommunisten beherrschten Fraktion der Volksdemokraten (SKDL) hatte es schon seit langem Schwierigkeiten gegeben.

Libanon: Streit um den Frieden

Antoine Fattal, Berater des libanesischen Präsidenten Amin Gemayel, David Kimche, Staatssekretär im israelischen Außenministerium, und Moris Draper, der von Präsident Reagan entsandte amerikanische Vermittler, kamen erst einmal geographisch vom Fleck: Ihre Gespräche finden abwechselnd im Seebad Chalde südlich von Beirut und in dem israelischen Grenzort Kirjat Schmone statt, der in der Vergangenheit Ziel von Raketenangriffen der PLO und Ausgangspunkt israelischer Interventionen während des libanesischen Bürgerkrieges gewesen war.

Nicht mehr rentabel: Da steht die Bahn dumm da

Die Kosten-Nutzen-Analyse sprach gegen sie. Zum Ende letzten Jahres hat die Deutsche Bundesbahn ihren Vertrag mit den letzten sechs Gepäckträgern im Hamburger Hauptbahnhof gekündigt.

Alltag im Gericht: Der hilflose Vater

Verstehen Sie, was ich meine?" fragte der Richter bereits zum dritten Mal. Der Angeklagte könne sein Kind doch nicht so einfach abstellen und dann vergessen.

Verbraucher spielen nicht mit

Man kann wirklich nicht behaupten, die Herren hätten sich nicht alle Mühe gegeben. "Die deutsche Industrie", so erklärte munter der Präsident ihres Bundesverbandes, Rolf Rodenstock, gehe mit Zuversicht ins neue Jahr.

Kursbarometer: Ein Hoch ist angesagt

Der Dezember brachte vielen Aktien unserer Tabelle neue Jahreshöchstkurse. Dafür sorgten massive Kaufaufträge aus dem Ausland, weitere Anlagekäufe der Versicherungen, aber langsam beginnend auch Meinungskäufe solcher Bankkunden, die heute bereit sind, auf den Aufschwung von morgen zu setzen.

Fusionen: Retter mit üblem Ruf

Max Grundig hat es mal wieder geschafft: Alle sind gegen ihn. Allerdings: Früher pflegte der eigenwillige Fürther Altunternehmer und deutsche Marktführer mit aggressiven Preisen für seine Rundfunk- und Fernsehgeräte lediglich den Zorn von Konkurrenten zu erregen.

Die von der Krise profitieren...

Die Zahl der Arbeitslosen wächst Monat für Monat Die Prognose: 2,35 Millionen im Jahresdurchschnitt 45 Milliarden Mark mußten bereits 1982 zu ihrer Unterstützung aufgewendet werden.

Wein: Guter Ruf – zu wenig Käufer

Bordeaux – das ist für den Weinliebhaber das Land der Weine mit den klingenden Namen. Der Kenner denkt an Chateau Mouton-Rothschild, an Lafite und Margaux, an Haut-Brion und Maucaillou, kurz: an Weine, die er sich fast nie leistet.

Weg von den alten Trampelpfaden

Eine französische Firma reformierte kürzlich grundlegend ihre Wochenarbeitszeit: Sie schaffte die 40-Stunden-Arbeitswoche ab und ersetzte sie durch das System einer 30-Stunden-Woche mit wahlweisen Schichten zwischen sieben und neunzehn Uhr.

Frankreich: Streik der Vermieter

Überall die gleiche Antwort. "Eine Wohnung? Tut mit leid, Monsieur, wir haben keine Angebote." Der zehnte oder zwölfte Anruf bei einer Pariser Immobilienagentur läßt endlich Hoffnung aufkommen.

"Neuverteilung der Arbeit"

Remmers: Schwarzarbeit ist eine Herausforderung an unser Wirtschaftssystem. Niemand leistet sie einfach nur deshalb, um den Staat oder die Solidargemeinschaft zu betuppen, sondern es gibt sie, weil viele sich auf reguläre Weise bestimmte Dinge nicht leisten könnten.

MANAGER UND MÄRKTE

Kaum ein Monat verging im letzten Jahr, in dem nicht irgendeine größere Pleite, Betriebsschließung oder Massenentlassung gemeldet wurde.

ZEITRAFFER

Im neuen Jahr können die deutschen Verbraucher auf stabilere Preise hoffen: Vier Bundesländer melden, daß bei ihnen im Dezember die Inflationsrate erneut gesunken ist.

Verteidigungspolitik im Unterricht: Lernziel Frieden

Man denke sich diesen Vorspann eines Beschlusses der Kultusministerkonferenz zur Friedenserziehung in unseren Schulen: "Das Auftrumpfen mit forschen Doktrinen über Frieden und Friedenssicherung steht uns, der Erwachsenengeneration, nicht an.

Diese Woche: Unbequemer Wartesaal

Zum Jahreswechsel hat das Deutsche Studentenwerk wieder einmal ermittelt, was der im Sinne der Statistik durchschnittliche Student braucht, um finanziell über die Runden zu kommen.

Die Geständnisse des Froschkönigs

Über den Dächern von Monte Carlo geht langsam die Sonne unter. Hinter dem Felsenschloß der Grimaldis verfärbt sich der Himmel in allen Schattierungen von Purpur.

Van Dyck, Ho finaler des Königs: Letzte Auftritte

Die Werke des fleißigen Flamen sind so zahlreich in England, daß die meisten Engländer ihn für einen Landsmann halten. Knapp neun Jahre lebte Van Dyck in London; rund 300 Bilder malte er in dieser Zeit; 87 davon sind nun in der National Portrait Gallery ausgestellt.

Zeitmosaik

Überhaupt muß man sich fragen, ob in dem, was als Zukunftsangst sich artikuliert, nicht ganz gegen den äußeren Anschein ein ungebrochener Optimismus mitschwingt.

+ Weitere Artikel anzeigen