/ Von Horst Rumpf

Man denke sich diesen Vorspann eines Beschlusses der Kultusministerkonferenz zur Friedenserziehung in unseren Schulen: „Das Auftrumpfen mit forschen Doktrinen über Frieden und Friedenssicherung steht uns, der Erwachsenengeneration, nicht an. Wir haben keinen Anlaß, der nachwachsenden Generation aus der Pose des Bescheidwissens Weisungen auf den Weg zu geben. 1,5 Millionen Mal die Sprengkraft der Hiroshima-Bombe auf unserem Planeten, absurde Zahlen von Milliarden Dollar für eine sich ständig steigernde und perfektionierende Rüstung bei ebensowenig realisierbaren Millionenzahlen von Hungertoten jedes Jahr – wer kann als Erwachsener für eine solche Welt geradestehen, wer kann vorbehaltlos für eine Politik, eine Gesellschaft geradestehen, die voll in dieses Wahn-Waffen-System eingebunden ist? Wer kann sich den Brustton der Überzeugung noch damit verschaffen, daß er auf die bösen anderen verweist, die schuld sind? Wem bleibt das Wort Frieden nicht ab und zu wenigstens im Mund stecken, wenn er einmal wieder die geläufige Argumentation nachspricht, daß wir unsere Warenwert zu gar nichts anderem haben können als für die Sicherung des Friedens, die Nichterpreßbarkeit, die Ermöglichung von Abschreckung wie von Abrüstung?

Ein Lehrer und Erzieher, gerade wenn er die Freiheit der Rede, der Meinung, des Gedankens ernstnimmt und so unsere Verfassung praktiziert (also nicht nur auf ihrem Boden herumsteht), der wird an Glaubwürdigkeit gewinnen, wenn er die schneidige Attitüde des Instrukteurs gar nicht erst annimmt. Wer das ernst nimmt, was unser Staat schützen soll, der kann niemandem und schon gar nicht der Jugend das Nachdenken und die eigene Entscheidung abnehmen wollen. Ob die einmal eingeschlagenen Wege zur Friedenssicherung richtig waren und richtig bleiben, darüber kann niemand von Amts wegen und mit staatlicher Autorität urteilen. Niemand darf anderen mit erzieherischen Machtmitteln und staatlich geschützten Sanktionen (Zeugnisnoten) sein Urteil aufzwingen.“

Einen solchen Vorspann gibt es natürlich nicht. So schreibt keiner, der Vorlagen für Minister formuliert. Es fehlt an Ausgewogenheit, Glätte, Selbstsicherheit, Autorität. Und so sehen die Vorlagen zum Thema Friedenserziehung, über die sich seit Mitte November 1982 CDU- und SPD-Kultusminister wieder heftig streiten, erheblich anders aus. Sie nehmen, von verschiedenen Ausgangspositionen, den Mund ziemlich voll.

warum brennt es im Augenblick in Sachen schulischer Friedenserziehung in den oberen Gemächern unseres Bildungswesens?

Verteidigungsminister Manfred Wörner hatte nach seinem Amtsantritt den „Kollegen“ Kultusministern in einem Brief seinen und der Truppe dringenden Wunsch mitgeteilt, „die friedenssichernde Rolle der Bundeswehr“ nun doch endlich zum verbindlichen Unterrichtsstoff der Schulen zu machen, und zwar einheitlich in allen Bundesländern. Dahinter stehen handfeste Sorgen um den Nachwuchs der Bundeswehr – schon Minister Apel hatte ja des öfteren Schulverantwortlichen die Leviten gelesen wegen ihres etwas flauen Bundeswehr-Engagements.