Sieben Monate nach dem israelischen Einmarsch in den Libanon verhandeln Vertreter der beiden Staaten miteinander – erst einmal darüber, was überhaupt Gegenstand der Verhandlungen sein soll.

Antoine Fattal, Berater des libanesischen Präsidenten Amin Gemayel, David Kimche, Staatssekretär im israelischen Außenministerium, und Moris Draper, der von Präsident Reagan entsandte amerikanische Vermittler, kamen erst einmal geographisch vom Fleck: Ihre Gespräche finden abwechselnd im Seebad Chalde südlich von Beirut und in dem israelischen Grenzort Kirjat Schmone statt, der in der Vergangenheit Ziel von Raketenangriffen der PLO und Ausgangspunkt israelischer Interventionen während des libanesischen Bürgerkrieges gewesen war.

Schon die Tagesordnung der Dreierrunden mußte umstritten sein: Jerusalem will mit Beirut über die "volle Normalisierung der Be-Ziehungen" verhandeln, also nach dem Frieden von 1979 mit Ägypten die zweite diplomatische Bresche in die arabische Ablehnungsfront schlagen. Den Libanesen geht es dagegen um den Abzug der israelischen Truppen aus ihrem Land, also die Wiedererrichtung des Waffenstillstandes von 1949.

Die Anwesenheit der Amerikaner bedeutete erst einmal weitere Komplikation: Während die Libanesen betonen wollen, daß man nur über den amerikanischen Vermittler mit Israelis verhandelt, will Israel klarstellen, daß die Amerikaner lediglich Zeugen und Beobachter direkter Verhandlungen zwischen den zwei Nahoststaaten sind.

Für die Israelis mag sich jetzt herausstellen, daß die diplomatischen Leistungen Ariel Scharons noch fragwürdiger sind als die militärischen. Der Verteidigungsminister hatte nämlich im Dezember von geheimen Besuchen bei Politikern in Beirut eine Vereinbarung mitgebracht, wonach beide Staaten de facto Frieden schließen würden: Abzug der Israelis, die das Recht behalten hätten, weite Teile des Libanon militärisch zu kontrollieren, Abzug der Syrer und der PLO-Verbände aus dem Norden und dem Osten des Libanon, offene Grenzen zwischen Libanon und Israel. Das Kabinett Begin hatte daraufhin Forderungen aufgegeben, die vorher die amerikanischen Vermittlungsbemühungen blockiert hatten: Jerusalem als Verhandlungsort und Aufrechterhaltung der israelischen Truppenpräsenz bis zum Abschluß eines politischen Abkommens und zum Abzug der Syrer.

Trotz dieser israelischen Zugeständnisse kann die Regierung in Beirut keinen Vertrag nach Scharons Vorstellungen schließen. Der Libanon kann es sich gerade nach den Kriegs Zerstörungen des letzten Sommers nicht leisten, zum Außenseiter in der arabischen Welt zu werden. Die schwache Regierung in Beirut arbeitet auf den gleichzeitigen Rückzug der Israelis und der Syrer hin und muß darum zwischen beiden Besatzungsmächten balancieren. Auch wenn die Israelis militärisch die Stärkeren sind, kann Gemayel nicht auf sie setzen: Die brüchige Stabilität seiner Regierung beruht auf der Verständigung mit den konservativen muslimischen Kräften des Landes. Und deren Vertreter, Ministerpräsident Wazzan, hat öffentlich seinen Widerstand gegen jede Form eines Friedensvertrages mit Israel erklärt.

Die israelische Regierung wiederum muß versuchen, eine Form des Rickzugs ihrer Streitmacht auszuhandeln, die sich als Erfolg darsteller läßt. Die Kosten der Stationierung ihrer Truppen im Libanon wegen inzwischen die wirtschaftlichen Vorteile der offenen Grenze auf.