Kaum ein Monat verging im letzten Jahr, in dem nicht irgendeine größere Pleite, Betriebsschließung oder Massenentlassung gemeldet wurde. Auch wenn die Wirtschaftsprognosen für 1983 eine Prise Optimismus verbreiten, am Arbeitsmarkt werden die Folgen der 82er Krise sicher noch lange nachwirken: Denn viele der im alten Jahr beschlossenen Kündigungen werden erst im Laufe der nächsten zwölf Monate verschickt werden.

Im verschneiten Januar 1982 verschreckte als erster der französische Elektro-Konzern Thomson-Brandt die deutsche Öffentlichkeit: Das jetzt verstaatlichte Unternehmen machte damals seine Ulmer Tochter, das TV-Röhrenwerk Videocolor, mit knapp 1700 Mitarbeitern dicht. Selbst ein dreiwöchiger Arbeitskampf der gesamten Belegschaft und ein empörter Brief des Staatssekretärs im baden-württembergischen Wirtschaftsministerium, Ernst Ludwig, an Thomson-Brandt-Manager Claude Maillard konnten die Arbeitsplätze nicht retten.

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Ob die Staatsvertreter beim größten Unternehmens-Zusammenbruch der Nachkriegszeit, dem AEG-Vergleich, mehr Erfolg mit der Rettung von Arbeitsplätzen haben werden, steht bis jetzt noch in den Sternen.

Schon im August, einige Tage nachdem der Vergleichsantrag der Frankfurter Richterin Marion Peppler vorlag, rückte AEG-Vorstand Heinz Dürr mit der Schreckensmeldung heraus: Die Sanierung des Konzerns – dessen Mitarbeiterzahl schon zwischen 1970 und 1981 von 178 000 auf 123 700 geschrumpft war – würde 12 000 weitere Arbeitsplätze kosten.

AEG-Geschäftsführer Günter Tumm, zuständig für den Haushaltsgeräte-Bereich, mußte rund 2400 Mitarbeiter entlassen; im Bereich Hochfrequenztechnik (hier ist die Stadt Ulm wieder besonders betroffen) will AEG 1500 Arbeitsplätze abbauen; und im Berliner Werk in der Brunnenstraße verlieren 2300 Männer und Frauen ihren Job.

Die Berliner AEG-Mitarbeiter marschierten denn auch gleich Anfang September in einem Protestzug zum Weddinger Rathaus und pfiffen dort ihren CDU-Wirtschaftssenator Elmar Pieroth aus. Der gebürtige Rheinhesse verstand offenbar die schrillen Töne, denn schon zwei Monate später kündigte er an, daß der Senat den Bau zweier neuer AEG-Werke in Berlin (für Leistungselektronik und Bahntechnik) finanziell unterstützen und damit neue Arbeitsplätze schaffen wolle. Kanzler-Kandidat Hans-Jochen Vogel, derweil noch Oppositionsführer in Berlin, schlug darüber hinaus eine Berliner „Arbeitsplatzsicherungs- und Beteiligungsgesellschaft für die AEG vor, stieß damit allerdings nur in der eigenen Fraktion auf Begeisterung.