Von David Haworth und Andrew Mulligan

Es scheint, als sei es weit länger als zehn Jahre her, daß die britische, irische und dänische Flagge vor dem Gebäude der Europäischen Kommission hochgezogen wurden. An jenem 1. Januar 1973 lag Brüssel in festtäglicher Ruhe: kein Verkehr, keine Jubelfeier, keine Reden. Und es ließ sich niemand von denen blicken, die die Vergrößerung der Gemeinschaft von sechs auf neun Mitglieder bewerkstelligt hatten. Nur im Queen Victoria Pub, gegenüber dem Berlaymont, war gelegentlich Lärm zu hören. Die dort versammelten Fremdlinge fühlten sich verpflichtet, darauf hinzuweisen, daß der Union Jack falsch herum aufgehängt sei. Aber auch für sie schrumpfte der historische Augenblick auf dem Boden eines Bierglases zusammen.

Dennoch war damals die gemeinsame Hoffnung, ja das Gefühl der Gewißheit verbreitet, daß nunmehr der Weg frei sei für die wirkliche Arbeit an der europäischen Integration: für eine ökonomische und monetäre Union, für die Gründung eines echten Gemeinsamen Marktes der Güter und Dienstleistungen, für ein direkt gewähltes Europäisches Parlament und, vielleicht sogar, für Verhandlungen über unauffällige Veränderungen der Agrarpolitik.

Die Zukunft ruhte auf diesen Hoffnungen. Wer konnte damals vorhersehen, daß das europäische Einigungsstreben, dieses einmalige, von Idealismus geprägte Bemühen innerhalb nur eines Jahrzehnts zum Paradebeispiel des Nationalismus verkommen würde. Es lohnt sich, daran zu erinnern, daß Großbritannien, Irland und Dänemark der Gemeinschaft aus sehr unterschiedlichen Gründen beitraten. Dem Vereinigten Königreich schien der Beitritt die Chance zu geben, (was sich als richtig erwiesen hat), daß sich die britische Industrie auf einem großen Markt bewähre und von ihm profitiere. Die Agrarpolitik würde die relativ kleine Gemeinde der britischen Farmer nicht verärgern. Allerdings würden die höheren Lebensmittelpreise die Verbraucher schmerzen und den Widerstand gegen die Gemeinschaft stärken.

Aber die komplexen Argumente für oder wider die Mitgliedschaft wurden von der britischen Öffentlichkeit nie richtig verstanden; darüber kann auch die Zustimmung beim nachfolgenden Referendum nicht hinwegtäuschen.

Für Irland, das immer noch sehr gemeinschaftsfreundlich eingestellt ist, war der EG-Beitritt ohne Zweifel ein wichtigerer nationaler Akt als die Erringung der Unabhängigkeit im Jahre 1922. Er bot Gelegenheit, endlich von Londons Schürzenbändern loszukommen. Den irischen Bauern gewährte er die Aussicht auf einen ordentlichen Lebensstandard; die neuen Landmaschinen und die Mercedes-Limousinen in den Dörfern beweisen, daß sich für sie der Beitritt gelohnt hat.

Die Dänen, ein pragmatisches Volk, gaben sich von Anfang an keinen Illusionen über die möglichen Vorteile der EG-Mitgliedschaft hin. Sie hatten aber erkannt, daß ihre wirtschaftlichen Interessen besser in der Gemeinschaft als bei ihren ehemaligen Efta-Partnern aufgehoben seien, und daß ihre Industrie von der EG-Beteiligung und dem Wegfall der Zollbarrieren zur Bundesrepublik profitieren werde. Dennoch hegen die Dänen noch immer eine tiefe politische Abneigung gegenüber der Gemeinschaft und haben größere Schwierigkeiten als irgendein anderes Mitgliedsland, die europäischen Gesetze durch den EG-Ausschuß ihres Parlamentes zu bringen.