Die Situation, in der die Bundesrepublik die EG-Präsidentschaft übernimmt, könnte bedrückender kaum sein. Das Abenteuer, auf das sich die dänischen Fischer in britischen Gewässern einlassen wollen, kennzeichnet den Niedergang der Gemeinschaft. Jetzt wird nicht mehr miteinander geredet, jetzt wird auf eigene Faust gehandelt. Egoistisch wie die Dänen heute, sind in letzter Zeit auch andere Mitgliedsländer verfahren – ob beim Schutz der eigenen Landwirtschaft oder bei der Abwehr von fremdgefertigten Videorecordern.

Wo solche nationalen Zentrifugalkräfte walten, wird es Bonn schwer haben mit seinem Aufruf zu mehr europäischem Zusammenhalt. Gemeinsame Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit? Baldiger Beitritt für Spanien und Portugal? Aufwertung des Parlamentes? Das sind gute Vorsätze. Schade nur, daß sie der Realität zuwiderlaufen.

Weniger wäre mehr in diesem Augenblick. Zum Beispiel die Präsenz bei den Ministerräten der Gemeinschaft. Dort sind, im Gegensatz zu ihren Kollegen aus den Partnerländern, die ranghöchsten Vertreter der Bundesregierung oft vermißt worden. Und sie wollen jetzt den politischen Willen der Zehn neu beleben? Dann müssen sie zumindest selber willens sein, regelmäßig den Weg nach Brüssel auf sich zu nehmen. D. B.