Auf dem Reisemarkt ist angesichts befürchteter Umsatzrückgänge in diesem Jahr eine Preisschlacht entbrannt. Pauschalurlauber können mit erheblichem Nachlaß rechnen.

Deutschlands Pauschalurlauber profitieren im . kommenden Jahr von dem hart geführten Wettbewerb der großen Reisekonzerne: Nachdem einige Konkurrenten, vor allem Neckermanns NUR-Touristic, des Branchenführers Touristik Union International (TUI) mit äußerst knapp kalkulierten Sommer-Angeboten auf den Markt gekommen sind, senkt die TUI jetzt teilweise in Spanien, Griechenland und Jugoslawien ihre Preise. Nach Angaben des Unternehmens schlagen die Preisreduzierungen am stärksten in Spanien zu Buche: Einige hundert Ziele werden im Lieblingsland deutscher Flugurlauber preiswerter offeriert. Im Durchschnitt bewegen sich die Preisnachlässe zwischen 30 und 45 Mark pro Person und Woche. So kostet zum Beispiel eine Zwei-Wochen-Pauschalreise nach Mallorca im Hotel "Gran Fiesta" in Playa de Palma nun 938 Mark statt der ausgeschriebenen 1028 Mark.

Profitieren von den neuen Preisen werden nicht nur neue Kunden, sondern auch jene Urlauber, die bereits eines der jetzt billiger angebotenen Ziele gebucht hatten: Die TUI schickt ihnen neue Reiseunterlagen mit den veränderten Preisen zu.

Zu der verbraucherfreundlichen Entscheidung war es gekommen, nachdem die TUI einen Preisvergleich zwischen den eigenen Angeboten und den Offerten der Reiseveranstalter NUR Touristic und Jahn Reisen durchgeführt hatte. Im Interesse der Kunden, so die TUI, habe man daraufhin beschlossen, die Preise in "überschneidenden Objekten" anzugleichen. Dies sei jedoch keine Proklamation eines Preiskrieges, sondern lediglich eine "defensive Maßnahme, um die vorhandenen Kunden zu schützen".

Welche Verluste bei nachträglichen Preisreduzierungen entstehen können, zeigt das Beispiel des größten britischen Reiseveranstalters Thomson. Das Unternehmen hatte im November – restlos verschreckt vom schwachen Buchungseingang – seine Preise gesenkt. Über die Hälfte der Reisen wurde dabei zwischen umgerechnet 40 und 200 Mark billiger. Kosten der Aktion: mehrere Millionen Mark.

Die TUI hingegen schweigt sich nicht nur über die Kosten, sondern über die ganze Aktion gegenüber der Öffentlichkeit aus. So erfährt der Kunde erst dann von den Nachlässen, wenn er im Reisebüro eines der in Frage kommenden Angebote bucht. Schon jetzt dagegen laufen über die Rotation einer Großdruckerei neue Preislisten und Aufkleber: In einer Auflage von neun Millionen Exemplaren werden diese demnächst an die Reisebüros verschickt.

Dies ist dann der vorläufige Schlußpunkt einer Schlacht um Marktanteile, die bislang mit solcher Heftigkeit in der Tourismus-Geschichte der Bundesrepublik noch nicht geführt wurde.