Die versunkene Kultur der Azteken und die gegenwärtige soziale Misere Mittel- und Südamerikas sind beliebte Themen der Kinder- und Jugendliteratur. Nur fand man sie bisher nie in einem Kinderbuch, sondern entweder im historischen Abenteuerbuch oder im engagierten realistischen Jugendbuch.

In Vehles Kinderbuch stützen Poesie der aztekischen Mythologie, Kinderlieder und realistische Episoden aus dem Leben eines sechsjährigen mexikanischen Jungen einander. Der Hintergrund einstiger Große offenbart rechtlose Armseligkeit von heute. Der Eroberer Cortez und der verwohnte Tourist haben ein Gesicht. In Kinderliedern und Küchenmärchen blitzen plötzlich Weisheit und Zauber einer Zeit auf, in der das Land noch den Azteken gehörte. Heute wird die Existenz von Pedros Vater wieder einmal zerstört, weil seine schäbige Strandküche einem Luxushotel für die Gringos, die Fremden, weichen muß. Kinder werden Poesie und Tragik dieser Collage von einst und jetzt nicht analysieren, aber spüren.

Fredrik Vahle: "Ich erzähle von Pedro. Geschichten, Märchen und Lieder aus Mexiko"; Gertraud Middelhauve Verlag, Köln; 76 S., 14,– DM. Birgit Dankert

Bücher über Pferde gibt es genug: Bücher, die uns lehren, mit Pferden umzugehen oder auf ihnen zu reiten, und Bücher mit Geschichten über Pferde. Das Pferd, in der Regel ein sanftmütiges Tier mit kleinen oder großen Unarten und nicht besonders intelligent, dafür aber gelehrig und willig, wird dort allzuoft geschildert als denkendes und planendes Wesen mit menschlichen Reaktionen.

Eben habe ich zwei Bücher gelesen, die Liebe und Verständnis für Kinder und Pferde herzerwärmend ausdrücken und die Liebe und das Verständnis zwischen jungen Menschen und Pferden beschreiben –

Barbara Klostermann: "Unser Pferd heißt Maybe", und "Maybe in der Stadt"; Georg Lentz Verlag, München; 146 und 121 S., je 1630 DM.

Es ist eine Autobiographie in zwei Bänden. Barbara Klostermann schildert, wie ihre Familie – Mann, fünf Kinder, zwei Zwerghasen, zwei zugelaufene Katzen und ein Dalmatinerhund – zum Reiten und schließlich sogar zu einem eigenen Pferd kommen.