Grundig-Übernahme: Politiker machen Thomson-Brandt zu Unrecht schlecht

Von Heinz Blüthmann

Max Grundig hat es mal wieder geschafft: Alle sind gegen ihn. Allerdings: Früher pflegte der eigenwillige Fürther Altunternehmer und deutsche Marktführer mit aggressiven Preisen für seine Rundfunk- und Fernsehgeräte lediglich den Zorn von Konkurrenten zu erregen. Jetzt hat er praktisch die gesamte Öffentlichkeit gegen sich aufgebracht.

Grund der allgemeinen Empörung: Der 74iährige Grundig will sein Unternehmen abstoßen – ausgerechnet an die verstaatlichte französische Konkurrenz Thomson-Brandt Die Franzosen sollen bereit sein, zwischen achthundert und neunhundert Millionen Mark für 75,5 Prozent der Grundig-Aktien zu zahlen – der Rest gehört bereits seit 1979 dem niederländischen Elektrokonzern Philips.

Schon viermal in fünf Jahren schlugen die Thomson-Brandt-Manager in der Bundesrepublik zu. Immer waren es notleidende Firmen der Unterhaltungselektronik-Branche, die sie sich unter den Nagel rissen: Nordmende, Saba, Videocolor und Dual.

Gingen die ersten vier Thomson-Einkäufe hierzulande noch ohne viel Aufhebens über die Bühne – bei Thomsons fünftem und weitaus dickstem Brocken gibt es dafür nun um so mehr Theater. Belegschaften der Grundig-Werke und Gewerkschaften von der IG Metall bis zur sonst eher stillen Deutschen Angestellten-Gewerkschaft (DAG), Politiker aller Couleur und die Bundestagsfraktionen von SPD und CSU mit kaum verhohlener Sympathie von CDU und FDP sind sich – wann hat es das schon mal gegeben! – einig: Sie alle wollen Grundigs Handel mit den Franzosen verhindern.

Politische Entscheidung