Überschritt Barney Clark, der Mann mit dem künstlichen Herzen, den Rubikon? Ja, denn sonst wäre er schon seit einem Monat tot.

Überschritten Timothy Ley und seine Mitarbeiter den Rubikon? Ja, denn sonst hätten die amerikanischen Spezialisten für Erbkrankheiten des Blutes Anfang Dezember nicht melden können, daß es ihnen gelungen ist, einen Mann mit der bislang unheilbaren Erbkrankheit Thalassämie erstmals ursächlich und erfolgreich zu behandeln – dank einer gezielten Manipulation der defekten Gene ihres Patienten mit einem erprobten Krebsmedikament.

Überschritten die sieben amerikanischen Forscher, von denen an dieser Stelle vor einer Woche die Rede war, den Rubikon? Ja, denn ohne die Übertragung gentechnisch gezielt behandelter Ratten-Gene für Wachstumshormon auf befruchtete Mäuseeier würde es heute nicht ein halbes Dutzend Riesenmäuse geben, wären die Biologen in einer Sackgasse gefangen und könnten nicht weiter auf ihrem weg zu einem der größten Geheimnisse des Lebens – wie sich ein vielzelliger Organismus entwickelt – gehen.

Die drei biomedizinischen Durchbrüche des Dezembers verdichten durch ihre rasche Abfolge offensichtlich das latent vorhandene Gefühl vieler Menschen zur Horrorvorstellung, die Naturwissenschaftler und Mediziner wollten die düsteren Prophezeiungen der "Schönen neuen Welt" schon zum ominösen Jahr "1984" Wirklichkeit werden lassen. In Leitartikeln und Diskussionen tauchen die uralten Warnungen vor dem Frevel des Prometheus und dem Faustischen Pakt, vor dem Homunkulus und Frankensteins Monster wieder auf. Diesmal, so lauten die Argumente, hätte der Rubikon nicht überschritten werden dürfen.

Sollen wir also – weise? – sagen: Jetzt ist Schluß, fügt euch in euer Schicksal? Das ist leicht dahingesagt, vor allem, wenn zwei entscheidende Fragen ausgespart bleiben:

1. Gibt es eine Institution, die einen solchen Denk- und Entwicklungsstopp weltweit und mit Aussicht auf Erfolg verhängen könnte?

Antwort: Nein.