Als die arabischen Scheichs 1973 erstmals am Ölhahn drehten, fühlten sich nicht wenige deutsche Tüftler dazu berufen, endlich den jahrhundertealten Traum des Perpetuum mobile wahrzumachen. Ein paar Jahre später, im Zeichen der anhaltenden Energiekrise, hielten es auffallend viele für nützlich, neue Wasserturbinen zu entwickeln: Auch Erfinder, so registriert die Patentstelle für die Deutsche Forschung in München, gehen mit der Mode. Zur Zeit sind beispielsweise Energiesparautos en vogue.

"Auf derartige Modeerfindungen würden wir Cine verzichten", sagt Hans-Karl von Engel, der Leiter des Münchner Instituts, das freie Erfinder und Hochschulforscher bei der Vermarktung ihrer Ideen unterstützt. Denn "kein Industrieunternehmen hat ein Interesse, dafür Geld auszugeben".

Ganz anders ist das bei der Erfindung von Werner Munk aus Vogt bei Ravensburg. Seine Neuheit liegt genau richtig. Die Lebensmittelindustrie sucht nach neuen Produkten, und mit Münks Knüller läßt sich der europäische Butterberg abbauen, kann der Fernsehbürger beim Knabbern mit Kulenkampff und Krimi gesünder leben: Münk erfand wohlschmeckende Knabberchips aus Joghurt, zu deren Herstellung er ein spezielles Verfahren der Gefriertrocknung entwickelte.

Mit 100 000 Mark, mit finanzieller Hilfestellung bei der Patentanmeldung und der Suche nach Lizenznehmern griffen die Münchner Experten Werner Munk unter die Arme. Die TV-Schonkost wurde in Europa, in den Vereinigten Staaten und in Japan patentiert. Und eine süddeutsche Firma für Milchprodukte warf sie, nach positiven Tests, bereits auf den bundesdeutschen Knabbermarkt (jährlicher Umsatz: eineinhalb Milliarden Mark).

Was dem oberschwäbischen Tüftler mit großer Wahrscheinlichkeit gelingen wird, ist das Ziel der meisten freien Erfinder: Ihre Idee zum wirtschaftlichen Erfolg zu führen. Aber dazu gehört mehr als nur die Entwicklung eines anspruchsvollen Produkts oder Verfahrens. "Auch ein verbesserter Wankelmotor", meint von Engel, "hätte heute keine Chance". Wie weit der Weg von der Erfindung zum finanziellen Gewinn tatsächlich ist, zeigt die Erfolgsbilanz der Tüftler: Von tausend erreichen im Durchschnitt nur 25 einen Lizenzvertrag mit der Industrie.

Die Münchner Patentstelle hat seit 1955 mehr als 15 000 Erfindungen bearbeitet und dabei immerhin über 400 Lizenzverträge vermittelt. Von den eingehenden Ideen freier Erfinder muß sie freilich 40 bis 50 Prozent von vornherein ablehnen, weil eine wirtschaftliche Verwertung aussichtslos ist. Nach sorgfältiger Prüfung bleiben schließlich zehn bis 15 Prozent der eingereichten Erfindungen übrig. Sie werden von der Patentstelle unterstützt, die als eine Einrichtung der Fraunhofer-Gesellschaft über Finanzmittel aus dem Bundesforschungsministerium und aus den Länderministerien verfügt.

Eine entscheidende Frage für die Verwertbarkeit ist zum Beispiel, ob sich eine Erfindung überhaupt patentieren läßt. Denn erfahrungsgemäß legt die Industrie Wert darauf, bei der Zusammenarbeit mit freien Erfindern ihre Investitionen durch Schutzrechte abzusichern. Deshalb muß zu allererst durch eine Patentrecherche geklärt werden, ob nicht schon irgendwo auf der Welt eine ähnliche Erfindung angemeldet worden ist.