Eine flexiblere Gestaltung der Arbeitszeit kann viele Probleme lösen

Eine französische Firma reformierte kürzlich grundlegend ihre Wochenarbeitszeit: Sie schaffte die 40-Stunden-Arbeitswoche ab und ersetzte sie durch das System einer 30-Stunden-Woche mit wahlweisen Schichten zwischen sieben und neunzehn Uhr. Dabei gewährt sie ihren Mitarbeitern weiterhin alle sozialen Vorteile der 40-Stunden-Woche. Nur das Entgelt und der Abzug der Sozialversicherungsbeiträge orientieren sich an der effektiven Arbeitszeit.

Qualität der Arbeit steigt

Die Folgen: Die Belegschaft wurde um ein Drittel aufgestockt, die Abwesenheitsrate sank unter fünf Prozent, die Qualität der Arbeit hat sich merklich verbessert und die sehr teuren Maschinen werden nun zwölf Stunden täglich genutzt. Ein interessanter Fall aktiver Arbeits- und Betriebszeitökonomie, der bestimmte Grundlinien der zeitökonomischen Entwicklungsmöglichkeiten eindrucksvoll verdeutlicht:

  • Arbeitszeit der Beschäftigten und Betriebszeit der Arbeitsplätze müssen nicht übereinstimmen.
  • Starre Arbeitszeitstrukturen, ohne Wahlmöglichkeiten für die Betroffenen, können durch ein System mit flexibler Dauer und Lage der täglichen, wöchentlichen, monatlichen und jährlichen Eckwerte überwunden werden.

Zweifellos können unsere heutigen Probleme nur durch ein weniger standardisiertes, weniger starres System der Arbeitszeit angegangen werden. Um welche Probleme geht es? Etwa um die sich wandelnden Präferenzen der Erwerbstätigen im Hinblick auf Einkommen – Arbeitszeit – Nicht-Arbeitszeit, um den Wertwandel der Erwerbsarbeit und die hohe Arbeitslosigkeit. Es geht aber auch um eine bessere Abstimmung der Arbeitszeiten auf bestimmte Belastungssituationen im und um den Arbeitsprozeß und um die Entschärfung des Straßenverkehrs zur Zeit der rush-hour.

Die Alternativen zu den konventionellen Trampelpfaden der Arbeitszeitgestaltung stecken derzeit noch in den Anfängen. Der Prozeß der Umorientierung ist langsam und zäh, und das, obgleich täglich immer mehr Menschen bewußt wird, daß eine hochentwickelte, dynamische, diversifizierte Ökonomie auch ihren Niederschlag in einer entsprechenden flexiblen Arbeitszeitökonomie finden muß.