Nach dem 15. März 1939, als Hitler in Prag einmarschierte, knüpfte Milena sofort Kontakte zum Widerstand und half, Fluchtwege ins Ausland zu organisieren. Auch Erwin Klinger verschwand auf einem solchen Weg aus Prag und aus Milenas Leben.

Anna Kvapilová, bis zu ihrer Verhaftung 1941 in der Musikabteilung der Prager Stadtbibliothek und im Widerstand tätig, hatte Milena zum erstenmal in der Redaktion der später verbotenen Zeitschrift Přítomnost kennengelernt:

"Ich las alles, was Milena schrieb, ich habe mir alle ihre Artikel ausgeschnitten und aufbewahrt. Ich konnte eben nicht anders, machte mich auf den Weg, um Milena persönlich für ihre Tapferkeit zu danken. Zum zweitenmal begegneten wir uns am 15. Oktober 1941, als ich gemeinsam mit 20 Frauen, die aktiv am Widerstand gegen Hitler teilgenommen haben, ins KZ Ravensbrück eingeliefert wurde. Ich werde diesen Abend nie vergessen. Wir mußten nackt an der hell beleuchteten Tür zum Krankenrevier vorbeilaufen, und da er-

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blickte ich Milena. Sie stand in der offenen Tür, und mir schien es, als trüge sie rund um ihren blonden Kopf eine Gloriole. ,Willkommen‘, rief sie uns zu. Milena sah damals sehr gut aus, sie war schlank geworden, aber nicht abgemagert, und sogar in ihren KZ-Klamotten kam sie mir elegant vor. Sie war Ende 1939 nach Ravensbrück eingeliefert worden, also in einer Zeit, in der die ergebenen Stalinistinnen noch fest an der sowjetischnazideutschen Freundschaft festhielten. Ihre Stelle im Krankenrevier, wo sie doch mehr zu essen hatte, verdankte Milena aber nicht den im KZ gut organisierten Kommunistinnen."

Über die straff organisierten Kommunistinnen, die auch Milena das Leben im KZ schwermachten, möchte Frau Kvapilová nicht sprechen. Sie betont immer wieder das "hohe menschliche Prinzip der Solidarität" aller Gefangenen. Margarete Buber-Neumann, Milenas und Anna Kvapilovás enge Freundin und Vertraute aus dem KZ, beschreibt das Problem mit den Stalinistinnen im KZ Ravensbrück zwar anders, doch jeder Zeuge hat das Recht, seine Worte selbst zu wählen.

In der einzigen Stunde des Tages im KZ, in der die Gefangenen herumgehen und miteinander reden konnten, war Anna Kvapilová sehr oft mit Milena zusammen. Sie erzählt: