Von Jürgen Reichardt

Der Bericht einer Mutter "Mein Sohn dient", den wir in der ZEIT Nr. 48/82 abdruckten, löste eine heftige Diskussion aus. Wir geben Jürgen Reichardt, Jahrgang 38, Oberst und Leiter des Informations- und Pressestabes im Verteidigungsministerium, Gelegenheit zur Erwiderung. siehe auch auf der Leserbriefseite die Zuschrift von Minister Manfred Wörner.

Selbst unbeteiligte Leser dürften von dem Bericht gelegentlich berührt und bewegt worden sein. In sprachlich gutem Stil und mit sicherem Ausdrucksvermögen bleibt die Glaubwürdigkeit der Berichterstatterin außer Zweifel. Nur wer sehr sorgfältig liest, erkennt bisweilen, daß ihr Sohn, der Kronzeuge, nicht alles selbst erlebt haben dürfte.

Nicht zu bestreiten ist, daß

  • die Mutter ihrem Sohn Glauben schenkt,
  • der Sohn anfangs gutwillig war,
  • in den in die Tausende zählenden Einheiten der Bundeswehr ebensowenig alles perfekt laufen kann wie in Schulklassen oder betrieben.

Dennoch bedrückt der Gedanke, es könnte wirklich so zugehen in den Ausbildungseinheiten oder sogar üblich sein, wie beschrieben.

Über zwanzig Vorwürfe kann man zählen, mit denen die Bundeswehr oder einzelne Vorgesetzte belastet werden. Hier wird nun nicht die Armee beschrieben, die wir kennen, die wir Offiziere vertreten, und die wir verantworten. Auch nicht die, die wir wollen.