Churchill und die Falkland-Inseln

Die Protokolle britischer Kabinettssitzungen bleiben 30 Jahre lang geheim; dann darf sich die Öffentlichkeit mit ihnen beschäftigen (von ganz besonders geheimen Vorgängen abgesehen). Zum Jahreswechsel wurden die Protokolle des Kabinetts Churchill aus dem Jahre 1952 veröffentlicht, und die englische Presse unterhielt ihre Leser in den ersten Tagen des neuen Jahres mit Gesprächen, die der große Kriegspremier in der Runde zumeist längst vergessener Minister führte. Das Schöne an derlei Kramen in der Vergangenheit: Es war alles ganz anders und doch fast genau so wie heute. Und beinahe – so will es scheinen – hätte der Falkland-Krieg schon 30 Jahre frührer stattgefunden: Im Februar 1952 beschoß die argentinische Marine eine Gruppe englischer Wissenschaftler auf einer der britischen Inseln im Südatlantik. Buenos Aires entschuldigte sich förmlich, die Wogen glätteten sich schnell. Aber Churchill traute den Südamerikanern nicht und schlug vor, "heimlich und sofort" eine Infanteriekompanie auf den unwirtlichen Inseln zu stationieren, was aber, Margaret Thatcher mag es beklagen, nie geschah – die Inseln durften weitere drei Jahrzehnte, bis 1982, im Windschatten der großen Politik bleiben.

Respekt vor dem Gegner

Die Rede vom nahenden wirtschaftlichen Kollaps des Sowjetsystems hat in Washington an Popularität gewonnen, seitdem die Regierung Reagan amtiert. Ausgerechnet der Geheimdienst meldet nun Bedenken an. In einer Studie kommt die CIA zu unpassenden Schlüssen: Die Sowjetunion habe seit 1950, so der CIA-Report, stete wirtschaftliche Fortschritte gemacht mit Wachstumsraten um die fünf Prozent in den fünfziger Jahren; jetzt freilich gehe es auch im großen Sowjetreich nicht mehr voran, eben wie überall in Ost und West. Die CIA-Analytiker meinen aber, die Sowjetbürger lebten heute besser als vor einem Jahrzehnt. Sie räumen freilich ein, daß die Moskauer Führung immer noch nicht in der Lage sei, die Bevölkerung so mit Wohnraum, eiweißreichen Lebensmitteln und langlebigen Konsumgütern zu versorgen, wie das für Nordamerikaner und Westeuropäer selbstverständlich ist. Trotzdem, die CIA gibt Ronald Reagans Skeptikern recht. Von extremer wirtschaftlicher Abhängigkeit der Sowjetunion vom Westen könne nicht die Rede sein.

Heiz-Geld

Türkische Banknoten verlieren schnell ihren Wert, wechseln häufiger den Besitzer als Geldscheine in anderen Ländern, werden meist so behandelt, daß sie schnell zerfleddern und zerfasern; sie dienen obendrein als Schreibzettel für Rechnungen und Telefonnummern, wenn nicht gar als Werbeträger für politische Parolen oder galante Kontaktgesuche. Die Folgen: Unmengen vergammelter Banknoten, derer sich die Zentralbank in Ankara entledigen muß. Zur Altpapierverarbeitung ist die Qualität des Materials viel zu schlecht. Jahrelang wanderten die alten Geldscheine buchstäblich durch den Schornstein, bis jetzt ein Bankbediensteter darauf kam, daß man mit dem Papier auch Wohnungen erwärmen kann. Seit einigen Wochen werden nun die 48 Wohnungen des zwölfgeschossigen Wohnhochhauses, das die Zentralbank für ihre höheren leitenden Angestellten gebaut hat, mit den ausrangierten Geldscheinen beheizt. 2000 Banknoten, so hat man herausgefunden, haben einen Heizwert von 1,7 Litern Heizöl.