Der deutsche Aktienmarkt hat sich von der Wall Street abgekoppelt. Schuld daran ist die innenpolitische Situation in der Bundesrepublik. "Weil noch keineswegs sicher ist, daß die auf den 6. März festgesetzte Bundestagswahl die von Börse und Wirtschaft gewünschte stabile Regierung mit Programmen zur Sanierung der Staatsfinanzen und Förderung der Investitionstätigkeit bringen wird", empfiehlt die Westdeutsche Landesbank ihren Kunden, vorerst einmal Kursgewinne zu realisieren.

Da das Düsseldorfer Institut mit seiner Meinung nicht allein steht und selbst institutionelle Anleger (wie Versicherungen und Aktienfonds) diese Ansicht teilen, wurde in den letzten Tagen jeder Ansatz zu einer weiteren Aufwärtsbewegung der Kurse im Keim erstickt.

Es gehöhrt nicht viel Prophetie zu der Voraussage, daß die Tendenz der deutschen Aktienkurse in nächster Zeit wesentlich von den Wahlprognosen beeinflußt werden wird: Weniger von der Diskussion über Steuererhöhungen oder Vermögensabgabe, wie sie gegenwärtig vor allem von der nervös gewordenen CDU geführt wird. "Darüber reden wir nach der Wahl", heißt es lakonisch in den Börsensälen. –

Die Hausse an den amerikanischen Aktienmärkten spiegelt sich bei uns lediglich in den steigenden Kursen einiger holländischer Spitzenpapiere wider, vor allem bei Akzo und Philips. Der Philips-Kurs hat inzwischen 27,50 Mark erreicht. Er liegt damit um 3 Mark höher als am Jahresbeginn. Diese Entwicklung blieb auf den Kurs der in der vergangenen Woche in den Börsenhandel eingeführten Alldephi-Genußscheine nicht ohne Auswirkung, obwohl diese Scheine erst 1986 in Philips-Aktien getauscht werden können. Das Reizvolle an den Scheinen ist die aus heutiger Sicht erstklassige Verzinsung von 77/8 Prozent.

Die letzte Bundesanleihe sowie die jüngste Anleihe des Landes Nordrhein-Westfalen sind nur noch mit einem Nominalzinssatz von 7 1/2 Prozent ausgestattet und finden auch ihre Abnehmer. Dies allerdings zu Kursen von etwas über 100 Prozent beziehungsweise zu 99,75 Prozent.

Der Rentenmarkt ist von den Wahlschatten bisher unberührt geblieben. Ganz gleich wer nach dem 6. März in Bonn regieren wird, die Zinsen werden zunächst weiter sinken. Sollte indessen die SPD ihren Plan verwirklichen und ein Milliardenprogramm über neue Schuldenmacherei verwirklichen wollen, kommt unweigerlich die Trendumkehr. K. W.