Herbert Wehner will nach den Wahlen nicht mehr ins Parlament zurückkehren, dem er seit 1949 angehört hat.

Mit seinen Widersprüchen hat Wehner ein Stück Nachkriegsrepublik verkörpert. Für ihn ging es von Anfang an darum, Politik für Deutschland zu machen, was beide deutschen Staaten einschließt. Es ging ihm darum, die parlamentarische Demokratie in den Köpfen zu verankern; um die Regierungsfähigkeit der SPD, die ein Teil davon ist; um die Interessen der kleinen Leute, der Arbeiter, um diese "Klassenfrage".

Politik verlief für Wehner immer von unten nach oben. Nicht zufällig ist er dem Harburger Wahlkreis treu geblieben; dort trat er 1946 in die SPD ein. Es gab nie viele, bei denen ein einziges Wort genügt hat, um die Politik in Bewegung zu bringen. Bei ihm hat man hingehört. In diesem Sinne hatte er eine eigentümliche Macht. Wer hat sie noch?

Wehners Ausscheiden ist allein sein Entschluß, aber es gibt politisch Sinn. Dem Machtwechsel folgt der Wachwechsel: vom großen Trio Schmidt-Wehner-Brandt bleibt nur der SPD-Vorsitzende. Was man sich von Wehner wünschen kann, ist: möglichst viel aus seiner Feder zu seinem Lebenslauf. Was man ihm wünschen kann, ist: die Kraft dazu. Was man uns wünschen kann, ist: daß er Schule macht. gho