In der Weltwirtschaft gehören sie fast schon zum guten Ton, die Affären um Panschereien. Nun aber sorgen auch die Weinbrenner für Schlagzeilen. Frankreichs Cognac, der edelste der Weinbrände, hat seinen Skandal.

Um vier Buchstaben ranken sich die Gerüchte: VSOP oder nicht, das ist die Frage, die jetzt ein französisches Gericht beantworten muß. In diesen Tagen hat nämlich die Staatsanwaltschaft Anklage gegen das bekannte Cognac-Haus Monnet, Tochter der Binger Weinbrennerei Scharlachberg, erhoben. Die Begründung: Verfälschung des Produkts.

Hinter dieser Formulierung verbirgt sich offenbar, was Insider schon lange wissen wollen. Der Monnet VSOP (im Klartext: Very Superior Old Pale), der nach dem Gesetz nur Destillate enthalten darf, die mindestens fünf Jahre alt sind, war gar nicht immer „very old“. Und auch die Herkunftsbezeichnung „Fine Champagne“ soll nicht immer den Regeln entsprochen haben. Mit diesem Zusatz darf sich ein Cognac nämlich nur schmücken, wenn mindestens fünfzig Prozent seiner Trauben aus der Grande Champagne stammen, einem besonders kreidehaltigen Gebiet um die Stadt Cognac herum, der Rest darf aus der angrenzenden Petite Champagne kommen.

Gerüchte um den Etikettenschwindel geistern schon seit dem letzten Sommer durch die Branche. Man munkelte, daß rund 300 000 Flaschen Monnet VSOP auf dem deutschen Markt gelandet seien, denen die erforderliche Lagerzeit nicht vergönnt gewesen sei. Scharlachberg indes bestätigt diese Größenordnung ebensowenig wie Monnet.

Dem Binger Mutterhaus, so dessen persönlich haftender Gesellschafter und Geschäftsführer Hans Schmitt, habe der neue Monnet-Chef Jean Fitou am 23. August letzten Jahres, kurz nach seinem Amtsantritt, lediglich mitgeteilt, es könne nicht ausgeschlossen werden, daß bestimmte Teile der in die Bundesrepublik gelieferten Ware nicht den Deklarationserfordernissen entsprächen.

Das Haus Scharlachberg habe bei seinen laufenden Qualitätskontrollen „keinerlei Beeinträchtigungen“ feststellen können. Überdies sei die als VSOP gelieferte Ware stets durch die nötigen behördlichen Begleitpapiere ausgewiesen worden. Dennoch entschloß sich der deutsche Importeur, „die uns zugängliche Ware unverzüglich auszutauschen“.

Die Binger Weinbrennerei, die seit 1960 mit rund sechzig Prozent an der französischen Cognac-Firma beteiligt ist, hatte den Monnet VSOP mit einer großangelegten Werbekampagne und niedrigen Preisen auf dem deutschen Markt bekannt gemacht. Der Erfolg blieb nicht aus: In seiner Qualitätsklasse erreichte das Produkt nach Angaben Schmitts immerhin einen Marktanteil von etwa fünfzehn Prozent.