München

Dablecken" (salonbayerisch: derblecken) ist eine uralte bayerische Tradition. Das Wort ist schwer übersetzbar; "verhohnepipeln", "vergackeiern" oder "verarschen" ist entweder zu viel oder zu wenig.

Wer "dableckt" wird, wird damit zum Gegenstand allgemeinen Gelächters gemacht. Dableckt wird in der Primitivform zum Beispiel durch übersteigertes Nachahmen bestimmter Eigenarten der zu dableckenden Person. Dableckt wird in der Kunstform durch Vierzeiler (Gstanzln), die – aus dem Stegreif zur Gitarre oder Zither gesungen – bei manener Hochzeit Anlaß für ausgelassene Keilereien gegeben haben.

Dableckt wurde bisher vor allem zu Beginn der nur in Bayern bekannten fünften Jahreszeit, der Starkbierzeit Da durften prominente Satiriker prominente Politiker nach allen Regeln der Kunst dabiecken, zum Gaudium des Volkes.

Nun aber will es das Schicksal, daß just zur Starkbierzeit, am 6. März, der mündige Bürger zur Wahlurne gehen soll. Mündig? Schon. Aber auch mündig genug, kurz vor dem schweren Gang eine Dableckerei der Politiker ohne Schaden zu überstehen? Da haben die Starkbier-Ausschenker so viele Zweifel wie sonst nur die Fernseh-Intendanten.

"... wollen wir Sie davon in Kenntnis setzen, daß Löwenbräu 1983 die offizielle Triumphator-Probe nicht wieder aufnehmen wird." Mit diesen Worten teilte die Münchner Löwenbrauerei mit, daß in diesem Jahr Schluß ist mit der Dableckerei am Stiglmaierplatz. Die Kollegen von der Paulaner-Brauerei fanden einen anderen Dreh: Sie haben den Beginn der fünften Jahreszeit einfach um eine Woche verschoben. Ihr Starkbieranstich-Fest findet nun erst am 11. März statt. Dann darf Schauspieler Walter Sedlmayr "ganz aktuell" (so steht es in der offiziellen Begründung) seine Bosheiten loswerden. Mit der Gewähr, daß nicht aus Versehen die Falschen "dableckt" werden.

Karl Forster