Neue Heimat

/ Von Erika Martens

Im Prinzip ist es eine Tarifverhandlung wie jede andere auch. Und doch ist diese anders. Wenn sich am 18. Januar in der Hauptverwaltung der Neuen Heimat (NH) in Hamburg Vertreter von Arbeitgebern und Arbeitnehmern gegenübersitzen, verhandeln Gewerkschafter mit Gewerkschaftern – in der Rolle des Arbeitgebers die einen, in der des Arbeitnehmers die anderen.

Man kennt sich, nennt sich Kollege – das Du indes ist nicht ganz so selbstverständlich wie in Gewerkschaftshäusern man weiß um Positionen und Probleme. Und "man wird sich mit einiger Konsequenz begegnen", so jedenfalls prophezeit es Christian Götz, Vorstandsmitglied der Gewerkschaft Handel, Banken und Versicherungen (HBV), der zusammen mit Jürgen Jöns von der IG Bau, Steine, Erden (BSE), Verhandlungsführer auf Arbeitnehmerseite ist.

Die Arbeitnehmervertreter gehen mit Bitterkeit in die Verhandlungen. Sie wissen um die finanziellen Schwierigkeiten, in die der einstige NH-Chef Albert Vietor den gewerkschaftseigenen Baukonzern gestürzt hat. Sie wissen auch um die 400 Millionen Mark, die die gewerkschaftlichen Anteilseigner im vergangenen Jahr reichlich mühsam und unter großem Murren für die angeschlagene Neue Heimat Städtebau (NHS), die nicht gemeinnützige Tochter der Neuen Heimat, aufgebracht haben. Und sie wissen, daß solche Notopfer wohl kaum ein zweites Mal zu erwarten sind. Was sie erbittert, ist die Selbstverständlichkeit, mit der manche Gewerkschaftschefs jetzt mit Blick auf die NH-Beschäftigten über Nivellierung reden, über den Abbau sozialer Leistungen gar.

Denn darum geht es am 18. Januar in Hamburg: Die Geschäftsführung muß sparen und will dabei auch die Mitarbeiter nicht schonen. Das Urlaubsgeld zum Beispiel, bisher ein ganzes Gehalt, soll für drei Jahre um fünfzig Prozent gekürzt werden. Spareffekt: 33 Millionen Mark. Auch über die Pensionsregelung soll verhandelt werden. 500 000 Mark pro Jahr soll überdies die ersatzlose Streichung einer Sonderzahlung von hundert Mark je NH-Mitarbeiter für entfallene Betriebsfeste bringen.

Vorgeschlagen wird weiter ein Tarifvertrag über Frühpensionierung von Mitarbeitern und die Veränderung einer Vereinbarung über dynamisierte Besitzstandswahrung bei Versetzungen.