Trotz aller früheren Auseinandersetzungen herrscht über den Sturz des langjährigen Störenfrieds an der Ruhr keine offene Schadenfreude. Eher grassiert die Befürchtung: Wer Korf nicht hilft, der wird vielleicht auch uns nichts geben. Und nötig haben alle in der Stahlbranche die öffentliche Hilfe. Die Forderungen, die Krupp an die Bundesregierung stellt, könnten auch von anderen Unternehmen formuliert worden sein.

Ehe Bonn hilft, haben allerdings die "Moderatoren" das Wort, die vermutlich noch in dieser Woche der Bundesregierung ihre Vorschläge zur Neuordnung der deutschen Stahlindustrie präsentieren wollen. Seit rund zwei Monaten versuchen Marcus Bierich von der Allianz-Versicherung, Alfred Herrhausen von der Deutschen Bank und Günter Vogelsang, der Aufsichtsratsvorsitzende der Veba, ein Überlebenskonzept für die deutsche Stahlindustrie auszuarbeiten. Sie haben dazu mit den Vorständen aller deutschen Stahlunternehmen intensive Gespräche geführt. Deren Ergebnis wurde in Klausur zu einem Neuordnungspapier verarbeitet.

Ehe Bonn hilft, haben allerdings die "Moderatoren" das Wort, die ihre Vorschläge zur Neuordnung der deutschen Stahlindustrie nicht – wie ursprünglich erwartet – schon an diesem Freitag, sondern erst in der zweiten Januarhälfte präsentieren wollen.

Über ihre Vorschläge haben die "drei Weisen" bisher Stillschweigen bewahrt. Spekulationen gehen jedoch dahin, daß sie eine "Zweierlösung" vorschlagen werden: Thyssen und Krupp sollen die eine Unternehmensgruppe, Hoesch, Klöckner und Salzgitter die andere bilden. Die Anlagen zur Erzeugung leichter Profile sollen möglicherweise in einer Sondergesellschaft unter Beteiligung der beiden großen Gruppen zusammengefaßt werden.

Für die Bundesregierung ist das Konzept der Moderatoren freilich keineswegs bindend und schon gar keine Verpflichtung, Subventionen für die Realisierung des Konzepts zuzusagen. Im Bundeswirtschaftsministerium heißt es sogar: "Es ist Quatsch, daß die Moderatoren von der Bundesregierung eingesetzt worden sind. Wir haben die niemals erfunden." Das ist sicherlich zutreffend, denn in der Tat hat die Stahlindustrie selbst ihre Weisen erkoren.

Doch wer eigentlich ihre Auftraggeber sind, blieb lange Zeit im Nebel verborgen. So sprach der nordrhein-westfälische Wirtschaftsminister Reimut Jochimsen im Düsseldorfer Landtag von "mittlerweile 26 Versionen", die er über das Moderatorenkonzept gehört habe. Er ließ eine 27. gleich folgen, "nämlich, daß diese drei Stahlmoderatoren einen persönlichen und direkten Auftrag des Herrn Bundeskanzlers haben".

Die Distanz, die das Bundeswirtschaftsministerium jetzt erkennen läßt, gibt der Stahlindustrie wenig Anlaß zu der Hoffnung, daß aus Bonn Milch und Honig fließen, sobald das Konzept einer Neuordnung steht. Es besteht auch keinerlei Aussicht, daß die Bundesregierung eine Linie zieht, unter die Produktion oder die Beschäftigtenzahl nicht fallen darf.