Immer mehr Urlauber gehen mit dem Bus auf Reisen: 1974 waren es 3,9 Millionen, 1981 schon 6 Millionen Touristen, die so Erholung suchten.

Der gute alte Omnibus kommt wieder in Fahrt. Nicht nur um Rund- und Studienreisen zu erleben, sondern auch um an die Costa Brava, die Adria oder an die Riviera zu gelangen, steigen die Urlauber – wie einst in den fünfziger Jahren – wieder in den Bus.

Das TUI-Unternehmen "Transeuropa" beispielsweise startet in der kommenden Saison wöchentlich von 28 Städten Bustouren in die Feriengebiete, die bisher vor allem mit dem Flugzeug angeflogen wurden. "Bequem wie ein Großraum-Jet" – so wirbt denn auch Transeuropa für den neuen Liniendienst in den Süden und nennt seine Busbetreuer "Stewardeß" und "Steward". Das rollende Gefährt braucht allerdings durchschnittlich anderthalb Tage, um im Ferienort zu landen.

Doch wesentlich billiger ist es schon, per Bus zu reisen: Zwei Wochen Halbpension im spanischen Lloret de Mar, Hotel "Caribe", kosten bei Transeuropa von 384 Mark an – als Busreise. Wer bei Transeuropa das gleiche Hotel per Flugreise bucht, zahlt für zwei Wochen Halbpension immerhin mindestens 744 Mark.

Im benachbarten Tossa de Mar geht es Reisenden, die mit Neckermann kommen, genauso: Im Hotel "Mar Blau" kosten den Flugpauschalgast zwei Wochen Vollpension mindestens 739 Mark, während der Bustourist schon mit 428 Mark dabei ist. Der Aufenthalt im Hotel ist für beide gleich lang, da eine zweiwöchige Busreise durchschnittlich siebzehn Tage dauert – die drei Tage Fahrt zählen extra. Logisch, daß die Reiseveranstalter schnell mit dem Argument zur Hand sind, bei Busreisen verlängere man den Urlaub und spare Übernachtungskosten.

Wer bei langen Busfahrten gleich ans lahme Kreuz und geschundene Knie denkt, dem begegnen die Reiseveranstalter mit der Vision von "Traumfahrten bei Nacht". Gemeint sind Schlafsessel mit "ausreichender Beinfreiheit". Nicht die Liebe zum Bus schlechthin verleitet die Großveranstalter, den Omnibus in jüngster Zeit so aufzumöbeln. Das stagnierende Reisegeschäft läßt sie vielmehr um neue Zielgruppen werben, und da die deutschen Urlauber sparen wollen, kommt der Bus gerade recht.

Transeuropa erwartet im kommenden Jahr 25 000 Busgäste, Neckermann steigerte die Zahl seiner Bustouristen im letzten Jahr um 47 Prozent auf 13 200. Auf diesem Feld sind die Reisegiganten allerdings Zwerge. Das Busgeschäft ist noch fest in der Hand kleiner und mittelständischer Unternehmer. Alle Reiseveranstalter zusammen haben 1981 rund 1,5 Millionen Urlauber mit dem Bus an ihr Ferienziel gebracht. Drei Millionen buchten eine Bus-Kurzreise, und 1,5 Millionen waren Gäste einer Rund- und Studienreise – der klassischen Bustour.