Von Gerhard Roth

"Meine Lieben Landsleute./Ir braucht keine Axt mehr heben./Das Land verreckt und Du."

(Ernst Herbeck)

Zu den Schandmälern unserer Zeit zählen mit Gewißheit die Irrenhäuser, jene Konzentrationslager des Alltags, aus denen uns nur selten eine Nachricht erreicht. Aus einem solchen Totenhaus, dem Niederösterreichischen Landeskrankenhaus für Psychiatrie und Neurologie Klosterneuburg, spricht seit einiger Zeit der Dichter Alexander, der mit richtigem Namen Ernst Herbeck heißt, zu uns –

Ernst Herbeck: "Alexander" – Ausgewählte Texte 1961-1981, mit einem Nachwort von Leo Navratil; Residenz-Verlag, Salzburg, 1982; 124 S., 24,– DM.

Nicht aus einer Welt der Verrücktheit spricht dieser Dichter zu uns, sondern aus der Isolation, nicht aus einer Welt der "Normalität" (womit stillschweigend auch alle Lügen gemeint sind, die für die Aufrechterhaltung der bestehenden Ordnung notwendig sind), sondern aus einer der geschärften, aber verletzten Sinne. Lägen alle sorgsam gehüteten Geheimnisse plötzlich offen vor uns und könnten wir mit einem Schlag auf unser eigenes Leben sehen wie auf einen grellerleuchteten Platz, dessen Leere keinem Wesen Schutz vor Blicken bietet, wir würden vermutlich erstaunt sein über den Wahnsinn, der uns dazu treibt, das Leben von Verdammten zu führen. Um dieses alptraumhafte Dasein, das in einer Art Besinnungslosigkeit abläuft, freizuhalten von Irritationen, gibt es jene Gefängnisse und gefängnisähnlichen Anstalten, die hinter Chinesischen Mauern alles Störende verschwinden lassen.

Im Klappentext der Sammlung von Gedichten ist zu lesen: "Nicht der Fall Herbeck, sondern der Dichter Alexander hat ein Recht auf Öffentlichkeit". Diese Feststellung ist nur eine von vielen falschen Behauptungen, die im Umgang mit sogenannten Geisteskranken (womit ebensogut jene, die außerhalb einer Anstalt leben, gemeint sein könnten) üblich sind.