Das Investment-Jahr 1982 kann sich sehen lassen. Unter Berücksichtigung der zwischenzeitlichen Ausschüttungen verzeichnen die meisten Fonds bei ihren Rücknahmepreisen zweistellige Steigerungsraten. Teilweise reichen sie an den Steigerungssatz heran, der in der Zeit von Anfang 1976 bis 1981, also in zusammen fünf Jahren, erzielt worden ist.

Als Folge der weltweit sinkenden Zinsen schlug im vergangenen Jahr die Stunde der Rentenfonds. Durch die nach wie vor hohen Zinseinnahmen zusammen mit den zwangsläufig eintretenden Kursgewinnen erlebten die Rentenfonds-Anteile Wertverbesserungen, die teilweise (wie zum Beispiel beim Internationalen Rentenfonds) nahe an 30 Prozent herankamen. Fonds, die es verstanden, die Chancen des amerikanischen Rentenmarktes voll zu nutzen und die obendrein bei ihren Kurssicherungsgeschäften eine glückliche Hand bewiesen, brachten es zu Ergebnissen, wie sie so bald kaum wiederholbar sein werden, zumal sie 1982 noch durch einen fünfprozentigen Währungsgewinn verschönt worden sind.

Rentenfonds, die sich nach ihren Satzungen ausschließlich oder überwiegend auf inländische festverzinsliche Papiere zu konzentrieren haben, waren zwar im Sinne ihrer Anleger ebenfalls erfolgreich, hinkten aber mir ihren Ergebnissen deutlich hinter den "Internationalen" hinterher.

Bei den Rentenfonds scheinen die Anlageerfolge ihre Wirkung auf den Neuabsatz von Anteilen nicht zu verfehlen. Nichts wirbt besser für ein Papier als der Erfolg. Das Interesse an Rentenfonds-Zertifikaten hat in den letzten Wochen deutlich zugenommen.

Das registrieren die Fonds-Manager mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Froh sind sie über jede Mark, die ihnen zufließt. Denn daran verdienen sie. Traurig sind die Manager darüber, daß die Leute, die heute Rentenfonds-Anteile erwerben, dies nicht schon vor einem Jahr getan haben. Heute müssen für die neu hereinkommenden Gelder relativ niedrig verzinsliche Anleihen und Pfandbriefe erworben werden. Sie drücken auf die bisher hohe Durchschnittsverzinsung.

In diesem Zusammenhang ist bemerkenswert, daß der zum Dresdner Bank-Bereich gehörende Deutsche Rentenfonds für 1982 seine Ausschüttung von 6,50 auf 6,35 Mark je Anteil zurücknehmen will. Bezogen auf den gegenwärtigen Ausgabepreis der Zertifikate von etwas über 85 Mark läßt sich eine "Ausschüttungsrendite" von rund 7,5 Prozent ausrechnen. Sie entspricht in etwa der heutigen Marktrendite, so daß niemand behaupten kann, der Fonds würde mit seiner Ausschüttungsstrategie den Eindruck erwecken wollen, Rentenfonds-Anteile seien der Direktanlage in festverzinslichen Papieren überlegen. Letztlich muß es darauf ankommen, langfristig Erfolge zu erwirtschaften, die Zeugnis für die Existenzberechtigung der Rentenfonds ablegen.

Zunehmende "Ehrlichkeit" kehrt auch bei den Ausschüttungen der Aktienfonds ein. In der Vergangenheit glaubten sie, mit möglichst hohen Jahreszahlungen werben zu müssen. Es wurde mehr ausgeschüttet, als an Dividenden und Zinsen hereinfloß. Langfristig führte dies zu einer ständigen Schrumpfung der Anteilspreise.