Von Nina Grunenberg

Wildbad Kreuth, im Januar

Eines kann CSU-Politikern nicht nachgesagt werden: daß sie Dilettanten sind, wenn es darum geht, parlamentarische Mehrheiten zu beschaffen. Auf diesem Gebiet können sie sich schmeicheln, Profis zu sein, die dem Zufall keine Chance lassen. Auf der jährlichen Klausurtagung der Bonner CSU-Parlamentarier, die am vergangenen Wochenende zum siebten Male in der oberbayerischen Kripperl-Landschaft von Wildbad Kreuth stattfand, gab es deshalb auch genügend Anlaß, über die Fehler der anderen Parteien milde die Köpfe zu schütteln.

Beim prüfenden Blick auf die CDU fanden die bayrischen Politiker bedenklich, wie schnell sich eine große Volkspartei von den Demoskopen ins Bockshorn jagen läßt. Das magere Ergebnis der CDU bei der Hamburger Wahl hat die bayrischen Realisten nicht übermäßig verblüfft. Ihrer Meinung nach hat es lediglich die gewohnten politischen Verhältnisse in der Hansestadt wiederhergestellt und einen Sieg der CDU in den Bereich der „schier unmenschlichen Ziele“ verwiesen. Als Menschenkenner lassen sie in solchen Fällen Barmherzigkeit walten.

Mit dem Selbstbewußtsein, das der bayrischen Politik eigen ist, empfahl Theo Waigel, der neue Landesgruppenchef der CSU in Bonn, ein Stück „christlichen Optimismus“ als Stimmungsunterlage für die Wahlkampfzeit. Der unverwüstliche Johnny Klein, seit drei Monaten außenpolitischer Sprecher der CDU/CSU-Fraktion, extemporierte in diesem Sinne: „Helmut Kohl weiß, daß wir die Wahl gewinnen. Die entscheidende Mehrheit der Deutschen weiß, daß wir die Wahl gewinnen. Auch die Russen wissen, daß wir die Wahl gewinnen, denn sie schicken uns Gromyko zu Besuch. Nur ein paar verzagte Unionsanhänger hegen noch Zweifel.“

Doch den meisten Gesprächsstoff über „politische Perversitäten“ lieferte den CSU-Politikern der FDP-Vordenker Ralf Dahrendorf in ihre Kreuther Abgeschiedenheit. Sein Wort, die Wahl vom 6. März interessiere ihn nicht, machte die Runde. Zwar sind CSU-Politiker bekanntermaßen keine Busenfreunde der Liberalen, aber Pferde scheu zu machen, die ins Rennen geschickt werden sollen, gehört für sie ins Arsenal der Grausamkeiten, die ein Politiker nicht begehen darf. „Sollen wir denn das Prinzip Hoffnung nur den Marxisten überlassen?“ fragt Theo Waigel in geübter bayrischer Schlitzohrigkeit.

Der neue Landesgruppenchef – er ist Nachfolger von Friedrich Zimmermann – wußte, was seines Amtes war: Er sorgte für Harmonie und Stimmung in Kreuth. Am ersten Abend, nach Kirchgang und Abendbrot, amüsierte er seine Truppe mit Rezitationen aus früheren Klausurprotokollen der Landesgruppe. Bei der historischen Beschäftigung mit sich selber stellten die 51 Abgeordneten zu ihrem innigen Vergnügen fest, daß die Themen, die sie interessieren, seit den fünfziger Jahren die gleichen geblieben sind: die Fraktionsgemeinschaft mit der CDU, die Trennung von der CDU und die Besserstellung der CSU.