Im Krieg am Golf ist kein Ende in Sicht. Die iranischen Truppen haben im Nordwesten eine neue Front eröffnet.

Die Kämpfe zwischen den Truppen Bagdads und Teherans hatten 27 Monate lang die nördliche Hälfte der 800 Kilometer langen Grenze zwischen den beiden Staaten unberührt gelassen. Die Irakis waren 1980 in die südwestliche iranische Ölprovinz Chusistan einmarschiert, aus der sie sich in-, zwischen zurückziehen mußten. Als die Iraner die Oberhand gewannen, verlagerte sich das Kriegsgeschehen in die Gegend um die Straße von Teheran nach Bagdad. Erklärtes Ziel der schiitischen Revolutionäre im Iran ist seitdem der Sturz des weltlichen Regimes Saddam Husseins.

In den vergangenen Wochen verlagerte sich der Krieg nach Norden: Nach Berichten aus Teheran hat iranische Artillerie von der Grenzstadt Piranschahr aus irakische Verbände erfolgreich angegriffen. Der Ort liegt inmitten der Kurdenregion. Die Separatisten unter den zwei Millionen Kurden im Irak hatten bis in die siebziger Jahre zu Bürgerkriegen geführt; der Schah unterstützte die Rebellen gegen die Bagdader Zentralregierung und auch Chomeini forderte sie immer wieder zum Kampf gegen Hussein auf. Umgekehrt gehört die kurdische Minderheit auf der iranischen Seite zu den vom Terror der Mullahs besonders betroffenen Gruppen.

Teheran hatte sich einen schnellen Sieg erhofft, nachdem die Armee die irakischen Invasoren erst einmal aus dem Lande vertreiben konnte. Doch der Krieg schleppt sich dahin, ohne daß ein Ende absehbar wäre. Noch immer sprechen die Iraner von Siegen an allen Fronten und brüsten sich damit, im Verlauf des Krieges schon über 5000 gegnerische Panzer und Schützenpanzer erbeutet zu haben, 2000 davon in so gutem Zustand, daß sie jetzt für die eigenen Streitkräfte rollten. Auch der Irak rühmt sich der Erfolge seiner Luftwaffe, der es immer wieder gelingt, die militärischen Anlagen des Gegners auszuschalten.

Beide Seiten suchen nach Verbündeten, die sie in der arabischen Welt dadurch finden wollen, daß sie den Gegner des Zusammenspiels mit Israel bezichtigen. Angesichts der peinlich gehüteten Neutralität des traditionellen Waffenlieferanten Sowjetunion und der Feindseligkeit Syriens versucht Saddam Hussein, die konservativen arabischen Staaten zu größeren Hilfeleistungen zu gewinnen. Darum ist er auch von seiner kompromißlosen Position im Nahostkonflikt abgerückt. Er kann überdies immer wieder darauf verweisen, daß Teheran Waffen aus Israel beziehe.

Wichtiger Waffenlieferant des Irak ist Frankreich. Der stellvertretende Ministerpräsident Tarik Asis bestätigte, daß sein Land für fünf Milliarden Mark moderne Waffen von einer französischen Firma gekauft habe. In Paris fand Asis diese Woche auch einen neuen Bündnispartner von vorerst ideellem Wert: Massud Radschawi, Führer der links-islamischen iranischen Volks-Mudschabeddin, der vom französischen Exil aus zusehen muß, wie seine Anhänger nach den blutigen Anschlägen von 1981 nun Opfer der Repression Chomeinis werden. Radschawi distanzierte sich nach den Treffen mit Asis in aller Form von Chomeinis Krieg und rief sogar zum Boykott des iranischen Erdöls auf.

Friedensbereit erklärte sich auch Ajatollah Montaseri, zweiter Mann der klerikal-revolutionären Hierarchie des Iran. Vor einem Kongreß internationaler islamischer Prediger knüpfte er aber den Friedensschluß wie gewohnt an zwei Bedingungen: den Rücktritt Saddam Husseins und die Freiheit der Irakis, "selbst über die Wahl einer islamischen Regierung zu entscheiden". Die islamische Revolution will exportiert werden. HJG