"Meyers Taschenlexikon Geschichte", herausgegeben/und bearbeitet von der Fachredaktion des Bibliographischen Instituts. "Große Eroberer werden immer angestaunt werden, und die Universalhistorie wird ihre Perioden nach ihnen zuschneiden. Das ist traurig, es liegt aber in der menschlichen Natur. Bei einem Viehmarkt sind die Augen auch stets auf den größten und fettesten Ochsen gerichtet." Was dem Göttinger Physik-Professor Georg Chr. Lichtenberg vor gut 200 Jahren mißfiel, das läßt sich heute kaum mehr in Geschichtsbüchern feststellen. Das Spektrum ist breiter geworden, die Akzente werden längst anders gesetzt. Deshalb nehmen in den sechs Bänden dieses alphabetisch geordneten Nachschlagewerks zur Weltgeschichte nicht Biographien den größten Raum ein, sondern Begriffserklärungen und ausführlicher verfaßte Artikel, die Epochen, Ereignisse und historische Zusammenhänge beschreiben. Die gleichfalls vorhandenen Informationen über Staaten, Organisationen oder Ideologien werden zudem durch zahlreiche Karten, Abbildungen und Graphiken veranschaulicht (allerdings keineswegs "durchgehend farbig", wie es die Taschenbuch-Titelseiten werbewirksam versprechen). Über die getroffene Auswahl bei den rund 25 000 Stichwörtern kann natürlich gestritten werden, weil beispielsweise wichtige Neuerungen aus den Bereichen Technik und Naturwissenschaften vernachlässigt werden, andererseits aber über steinzeitliche Abfallhaufen gleich mehrfach Auskunft gegeben wird. Weshalb findet man beispielsweise bloß Angaben zur Biographie des SS-Obergruppenführers Albert Forster, jedoch überhaupt keine zu Johann G. Forster (1754-1794) und seinem demokratischen Engagement in der Mainzer Republik? Warum wird neben der konservativen "Historie schen Zeitschrift" nicht ebenfalls das linksliberale Periodikum "Geschichte und Gesellschaft" vorgestellt? Würden solche Mängel in einer überarbeiteten Neuauflage fehlen, dann könnte diese zweifellos preiswerte Lexikonkassette erst recht empfohlen werden. (Bibliographisches Institut, Mannheim 1982; 6 Bde., insgesamt 1920 S., 76,– DM.)

Werner Hornung