DIE ZEIT porträtiert die großen Zeitungen der westlichen Welt

"Le Monde – die Stimme Frankreichs, eine Zeitung, die nicht nur den Gründern gehört, sondern auch denen, die sie machen.

Von Rudolf Walter Leonhardt

Unter den Blättern dieser Welt dürfen nur drei den uneingeschränkten Anspruch erheben, "das Weltblatt" ihres Ursprungslandes zu sein: die New York Times für Amerika, die Neue Zürcher Zeitung für die Schweiz und Le Monde für Frankreich.

Wie schwer auf Dauer aufrechtzuerhalten solche Ansprüche sind, zeigen das Schicksal der Times (Großbritannien) und des Corriere della Sera (Italien). Die Prawda und die großen asiatischen Publikationen entsprechen entweder nicht unseren Vorstellungen von Zeitungen oder spielen ihre Rolle in einer uns allzu fernen Welt. Oft kommt beides zusammen.

Und das deutsche Weltblatt? Insgeheim erheben mindestens drei Publikationen Anspruch darauf, das zu sein; öffentlich keine. Wobei unter den Tageszeitungen sicher die Frankfurter Allgemeine ihren Anspruch am besten begründen könnte.

Le Monde verdient unser Interesse nicht nur dadurch, daß diese Zeitung in der Welt als die Stimme Frankreichs gilt; sondern auch dadurch, daß dort versucht wurde, einen alten Wunschtraum der Journalisten und Medienpolitiker Wirklichkeit werden zu lassen: Die Zeitung gehört denen, die sie gegründet haben, und denen, die sie heute machen. Aufgeschlüsselt heißt das: zu 40 Prozent den Gründervätern, zu 40 Prozent den Redakteuren, zu 11 Prozent dem derzeitigen Geschäftsführer, zu 9 Prozent den nicht-journalistischen Mitarbeitern des Verlages und der Redaktion. Wobei das "Gehören" im Sinne von Profit abwerfen heute so uninteressant ist, wie es in den Anfängen war. Nur zwischendurch gab es eine Zeit, da machte Le Monde große Gewinne. Die freilich wurden zum größten Teil wieder investiert, vor allem in eine Druckerei, was heute als arge Fehlinvestition erscheinen muß.