Wie sich halbstarke Berberaffen vor Prügel schützen

Markerschütterndes Geschrei erfüllte dieLuft, als ein halbstarken Berberaffe von einem älteren Männchen jämmerlich verprügelt wurde. Plötzlich riß sich der Jüngling von eiste, vom Sieker wütend verfolgt, auf die Affengruppe zu, riß einer Mutter das Baby von der Brust und hielt es dem Verfolger wie ein Schutzschild entgegen.

Dieser bremste, daß es stäubte, und erstarrte zum Standbild. Unfähig, dem Halbstarken auch nur noch einen einzigen Schlag zu versetzen, trollte er friedlich von dannen.

Mit der "Geheimwaffe" eines süßen Babys auf dem Arm, mit diesem "agonistischen Puffer", wie der Fachausdruck lautet, vermag im Reich der Berberaffen oder Magots, die im Atlas- und Rifgebirge Marokkos und auf dem Felsen von Gibraltar leben, jedes schwächere Männchen den Angriff eines stärkeren augenblicklich zu stoppen.

Professor John Deag von der Universität Edinburgh erforschte jetzt an zehn freilebenden Horden im Zedernwald von Ain Kahla im Mittleren Atlas weitere verblüffende. Einzelheiten im so erstaunlich listigen Verhalten dieser Affen, die in Horden von zwanzig bis dreißig Tieren leben.

Natürlich darf sich ein Verfolgter nicht jedes beliebige Baby schnappen, um es als Abwehrwaffe zu gebrauchen. Erst muß er sich, vorsorglich schon Monate oder Wochen zuvor, mit der Mutter anfreunden (ganz platonisch übrigens) und sich als Babysitter bewähren. Er muß viel mit dem Kleinen spielen, es aufnehmen, wenn es schreit, umhertragen, beschützen und lausen.

Andernfalls schreit das Baby, wenn es ergriffen wird. Und statt die Prügel des einen Verfolgers zu vermeiden, tritt der umgekehrte Effekt ein: Der Kidnapper bezieht wegen Kindesmißhandlung von allen Erwachsenen Massenkeile.